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  • Thomas Schönemann

Uniklinikum CGC Dresden

Sächsische Ärzte sorgen für ExtraDosis Darmkrebsvorsorge

Sächsische Ärzte sorgen für ExtraDosis Darmkrebsvorsorge. © Foto: Uniklinikum CGC Dresden
Sächsische Ärzte sorgen für ExtraDosis Darmkrebsvorsorge. © Foto: Uniklinikum CGC Dresden

33 Gastroenterologen bieten 250 zusätzliche Koloskopien an. Eine Hotline zur Terminabsprache (0351 84 04 17 94) ist ab Ende Februar geschaltet. Der Appell zur Teilnahme ist aus Sicht der Organisatoren auch dringend notwendig: Zu wenige Anspruchsberechtigte gehen derzeit zur Darmkrebsvorsorge.

In der vergangenen Woche startete eine der größten Krebspräventionsaktionen Sachsens: Über eine eigens etablierte Telefonhotline haben Einwohner des Freistaats die Möglichkeit, sich schnell und unkompliziert einen Termin für eine Darmkrebs-Vorsorgeuntersuchung zu sichern. Im Rahmen des von der Felix-Burda-Stiftung initiierten „Darmkrebsmonats März 2015“ bieten 33 im Berufsverband Niedergelassener Gastroenterologen Deutschlands e.V. (BNG) organisierte Ärzte aus ganz Sachsen knapp 250 zusätzliche Vorsorgekoloskopien – sogenannte Darmspiegelungen – an. Bei dieser durch die Krankenkassen finanzierten Untersuchung lassen sich Vorstufen des Darmkrebs´ entdecken und unkompliziert entfernen. Initiiert wurde die Aktion „ExtraDosis Darmkrebsvorsorge für Sachsen“ gemeinsam vom BNG und dem Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden, das die Organisation übernahm und die Öffentlichkeitsarbeit finanziell und personell unterstützt. Schirmherrin der Aktion ist die sächsische Staatsministerin für Soziales und Verbraucherschutz, Barbara Klepsch. Zum Auftakt des Darmkrebsmonats März 2015 in Sachsen sowie der „ExtraDosis“-Aktion fand am Samstag in der Dresdner Centrum Galerie von 10 bis 20 Uhr ein Aktionstag statt.

Allein für das vergangene Jahr prognostizierte das Robert-Koch-Institut 64.000 Fälle von neu auftretendem Darmkrebs. Gut ein Drittel dieser Menschen sterben in den ersten fünf Jahren nach der Diagnose. Die meisten Darmkrebspatienten wurden operiert und erhielten eine Chemotherapie. – Viele dieser Leiden wären vermeidbar gewesen, wenn mehr Menschen das Angebot der von den Krankenkassen finanzierten Krebsfrüherkennung wahrnehmen würden. Ein wichtiges Element der Darmkrebsvorsorge ist die Untersuchung des Dickdarms mit einem Endoskop – die sogenannte Koloskopie oder Darmspiegelung. Ab dem vollendeten 55. Lebensjahr ist dies eine Kassenleistung: Der Magen-Darm-Spezialist – Gastroenterologe – schaut den Darm von innen an und kann Vorstufen einer Krebserkrankung erkennen. Denn rund 90 Prozent der Darmkrebserkrankungen entwickeln sich aus zunächst gutartigen Darmpolypen. Diese Entartung vom Polyp zum Krebs kann rund zehn Jahre dauern. Ursache für die Entwicklung gesunder Schleimhautzellen der Darmwand zu Tumoren sind aufeinander folgende Genveränderungen. Sie führen schließlich zum Verlust der natürlichen Wachstumskontrolle der Zellen. So können sie sich als Krebszellen bösartig und zerstörerisch ausbreiten.

„Auch wenn das Universitätsklinikum auf höchste Kompetenz und Qualität in der Versorgung von Darmkrebspatienten verweisen kann, freuen wir uns über jeden Fall eines früh erkannten Darmpolypen der ambulant durch einen niedergelassenen Kollegen entfernt werden kann. So verbleiben den Krebsspezialisten mehr Kapazitäten für die Patienten, deren Tumorerkrankungen nicht so gut diagnostizierbar sind wie jene, die sich aus Darmpolypen entwickeln und über Jahre zu einem Krebsleiden werden können. Als Mitinitiatoren der Aktion ‚ExtraDosis Darmkrebsvorsorge für Sachsen‘ wollen wir für diese Form der Krebsprävention ebenso ein Zeichen setzen wie für das partnerschaftliche Miteinander zwischen den Gastroenterologen mit eigener Praxis und ihren Kollegen in den Kliniken“, sagt Prof. Jochen Hampe, Bereichsleiter Gastroenterologie der Medizinischen Klinik und Poliklinik I des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus.

„Darmkrebs ist eine Erkrankung, die meist unbemerkt fortschreitet. Durch die Koloskopie sind wir in der Lage, Darmkrebsvorstufen zu erkennen und zu entfernen. Es ist ein gutes Gefühl, auf diese Weise das Darmkrebsrisiko unserer Patienten drastisch zu reduzieren. Wir wissen aber auch, dass es vielen Menschen schwerfällt, sich für die Untersuchung zu entscheiden. Deshalb haben wir den Impuls und die Einladung des Dresdner Uniklinikums sehr gern angenommen, gemeinsam auf die Bevölkerung zuzugehen. Dadurch, dass wir im Darmkrebsmonat März 2015 in ganz Sachsen rund 250 zusätzliche Vorsorge-Darmspiegelungen über eine leicht erreichbare Telefonhotline anbieten und öffentlichkeitswirksam und anschaulich zur Koloskopie informieren, gehen wir aktiv gegen die Vorbehalte der Bevölkerung vor“ sagt PD Dr. Gerhard Heptner, Niedergelassener Gastroenterologe mit Ermächtigung für Vorsorgekoloskopien und Vorsitzender der Landesgruppe Sachsen des Berufsverbandes der Niedergelassenen Gastroenterologen Deutschlands e.V.

„Bei der Inanspruchnahme der Vorsorge-Koloskopie ist noch ganz viel Luft nach oben“, sagt Rainer Striebel, Vorsitzender des Vorstandes der AOK PLUS mit Blick auf aktuelle Daten: „Insgesamt 10.222 unserer sächsischen Versicherten haben diese Vorsorgeuntersuchung im Zeitraum Juli 2013 bis Juni 2014 wahrgenommen. Damit lag die Teilnehmerquote bei den anspruchsberechtigten Versicherten der AOK PLUS im Alter zwischen 55 und 60 Jahren bei insgesamt nur 2,5 Prozent.“ Im Rahmen dieser Koloskopien traten insgesamt 1.527 Verdachtsfälle auf. Im obengenannten zwölfmonatigen Zeitraum wandte die AOK PLUS bei ihren sächsischen Versicherten rund drei Millionen Euro für Maßnahmen zur Darmkrebsfrüherkennung auf. Dem gegenüber stehen jedoch pro Jahr etwa 8.000 Versicherte der AOK PLUS, die aufgrund einer Darmkrebserkrankung im Krankenhaus behandelt werden müssen. – Und die Kosten dafür summieren sich auf rund 42 Millionen Euro. „Es ist aber nicht in erster Linie das Problem, dass wir für die Behandlung von Darmkrebs allein im Krankenhaus das Zwölffache dessen ausgeben, was uns bislang im Jahresdurchschnitt die Vorsorgeuntersuchungen kosten. Als das eigentlich kritische Problem sehe ich, dass für manche Patienten auch heute noch jede Hilfe zu spät kommt, obwohl Darmkrebs mit modernen Operationsmethoden und Medikamenten gut behandelbar ist. Und das hat in aller Regel damit zu tun, dass der Krebs im Einzelfall zu spät entdeckt wurde“, betont Rainer Striebel. Deshalb sind öffentlichkeitswirksame Aktionen wie die „ExtraDosis Darmkrebsvorsorge für Sachsen“, auch ein wichtiges Anliegen der AOK PLUS: Die Krankenkasse sagte ihre Unterstützung sofort zu, als BNG und Uniklinikum mit dem Konzept für die Vorsorgekampagne vorstellig wurden. Als Sponsor unterstützte die AOK PLUS den Aktionstag am 28. Februar in der Dresdner Centrum Galerie und informierte vor Ort zudem über die Rolle der gesunden Ernährung bei der Krebsprävention.

„Ohne die insgesamt acht Sponsoren, die die ‚ExtraDosis Darmkrebsvorsorge‘ mit Geldleistungen und vor allem mit personellem Einsatz unterstützen, wäre die Aktion nicht umsetzbar gewesen. Für das Klinikum besonders beeindruckend war die unkomplizierte und kurzfristige Zusage der Saxo`Phon GmbH. Das Callcenter sorgt mit seinem kompetenten Team dafür, dass die Wünsche der Sachsen nach einem Termin für die Darmkrebsvorsorge aufgenommen und zeitnah an den Gastroenterologen ihrer Heimatregion weitergegeben werden. Der Aufwand, diese Vermittlungsleistung in die Abläufe und Programme einzufügen, die Telefon-Agenten zu schulen und sie dann neun Stunden täglich für die Aufgabe freizustellen, ist erheblich. Mit diesem Engagement hat das Unternehmen den Titel ‚Hauptsponsor‘ verdient. Auch im Namen aller Beteiligten bedankt sich das Klinikum bei der ‚Saxo`Phon‘“, sagt Wilfried Winzer, Kaufmännischer Vorstand des Universitätsklinikums.

Vorsorge-Koloskopie: Ärzte plädieren für sinkende Altersgrenze

Die Landesgruppe Sachsen des Berufsverbandes der Niedergelassenen Gastroenterologen Deutschlands e.V. sieht nach den Worten ihres Vorsitzenden PD Dr. Gerhard Heptner noch großen Bedarf, den Gedanken der Darmkrebsvorsorge stärker als bisher im Bewusstsein zu verankern: „Der erste Ansatz im Kampf gegen den Darmkrebs ist es, den Gedanken eines gesunden Lebensstils und der richtigen Ernährung den Menschen noch intensiver zu vermitteln. Denn auch auf diese Weise lassen sich Krebserkrankungen wirksam vermeiden. Ebenso wichtig ist es, die vorbeugenden medizinischen Vorsorgemaßnahmen – das sind vor allem Koloskopien und Stuhltests – in den Fokus der Gesundheitsversorgung zu stellen. Hier sind sowohl die Krankenkassen, die Politik als auch die Medien gefragt. Dabei sollte auch erwogen werden, Anspruchsberechtigte künftig gruppen- und flächendeckend zu diesen Vorsorgemaßnahmen einzuladen“, erklärt PD Dr. Heptner. Weil sich bei Männern früher als bei Frauen Polypen als mögliche Vorstufen von Darmkrebs bilden, schließen sich die sächsischen Gastroenterologen der Forderung an, die Altersgrenze zum Anspruch auf eine Vorsorgekoloskopie bei Männern von derzeit 55 auf 50 Jahre zu senken. Auch Patienten, in deren Familien bei Verwandten des ersten und eventuell auch zweiten Grades bereits Darmkrebs diagnostiziert wurde, sollten umgehend in ein Vorsorgeprogramm aufgenommen werden.

Aktionstag am 28. Februar bot Informationen aus erster Hand

„Trauen Sie sich! Informieren Sie sich! Denn Darmkrebsvorsorge ist einfacher und viel weniger belastend als man vielleicht denkt!“, sagte Prof. Hampe mit Blick auf den Aktionstag. Besucher der Centrum Galerie an der Prager Straße in Dresden hatten am vergangenen Samstag von 10 bis 20 Uhr die Möglichkeit, sich bei der Auftaktveranstaltung zum „Darmkrebsmonat März 2015“ von Ärzten über die Früherkennung und Behandlung von Darmkrebs aus erster Hand beraten zu lassen. Außerdem gab es die Möglichkeit, sich anhand eines begehbaren Darmmodells ein Bild davon zu machen, wie Darmkrebs entsteht und wie er im Frühstadium unkompliziert entfernbar ist. Hierzu wurde in der Centrum Galerie auch ein Endoskop vorgeführt. Experten, die täglich Darmspiegelungen vornehmen, erklärten den Ablauf einer Koloskopie an einem Körpermodell. Kinder konnten mit dem Endoskop auch das Innere eines Stoff-Teddys erkunden.

Da die Grundlage der Krebsprävention bereits im Kindes- und Jugendalter geschaffen wird, erklärten die Mitarbeiterinnen des Präventionszentrums am Universitäts KrebsCentrum Dresden in altersgerechter Weise, was bereits Schüler tun können, um die Gefahr einer Krebserkrankung zu verringern. Unterstützt wurde das Zentrum dabei von der Konsum Dresden eG.

Weitere Informationen
www.extradosis-krebsvorsorge.de
www.gastromed-bng.de
www.felix-burda-stiftung.de

 

Pressemitteilung Universitätsklinikum Carl Gustav Cars Dresden
Holger Ostermeyer, Pressesprecher, Tel.: 0351 / 458 4162, eMail: pressestelle@uniklinikum-dresden.de
25.02.2015
22.06.2017, 11:21 | tsc
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