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Operation

Schilddrüsen-OP: ABBA sorgt für makellosen Hals

Dr. Sandra Leike zeigt Patientin Maria Streubel die Operationsinstrumente für den minimalinvasiven Eingriff bei der Schilddrüsen-OP. © Foto: Holger Ostermeyer / Uniklinikum Dresden
Dr. Sandra Leike zeigt Patientin Maria Streubel die Operationsinstrumente für den minimalinvasiven Eingriff bei der Schilddrüsen-OP. © Foto: Holger Ostermeyer / Uniklinikum Dresden

Frauen, die sich aufgrund eines Knotens der Schilddrüse einer Operation unterziehen müssen, können aufatmen. Dank der Methode des „Axillo Bilateral Breast Approach“ – kurz ABBA – kann der Eingriff ohne den sonst üblichen queren Schnitt in der Halsregion erfolgen. Die Klinik für Viszeral-, Thorax- und Gefäßchirurgie des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus Dresden gehört deutschlandweit zu den wenigen Krankenhäusern, die diese Schlüsselloch-OP nun anbieten kann.

Eine 32-jährige Dresdnerin ist die erste von dem Team um Klinikdirektor Prof. Jürgen Weitz operierte Patientin – der Eingriff fand Anfang Februar statt. Die Chirurgen erreichen die Schilddrüse, indem sie die für die speziell für Schlüssellochchirurgie hergestellten Operationsinstrumente über den Brustbereich und die Achsel einführen und unterhalb der Hautschicht bis zu dem Organ bewegen. Neben dem guten kosmetischen Ergebnis – anstatt des mindestens vier Zentimeter langen Schnitts im Hals genügen nun drei wesentlich kürzere Schnitte – können die Operateure noch präziser vorgehen. Denn im Bereich der Drüse verläuft ein Nerv, der die Stimmlippen steuert.

„Kalter Knoten“ nennen die Ärzte bestimmte Formen von Gewebeveränderungen der Schilddrüse. „Kalt“ deswegen, weil dieses Gewebe die Hormonproduktion nicht erhöht – ganz im Gegenteil zu den „heißen Knoten“. Trotzdem besteht auch bei ersteren Veränderungen Handlungsbedarf, weil sich daraus ein bösartiger Tumor entwickeln kann oder eventuell bereits ein solcher Tumor entstanden ist. Die „kalten Knoten“ werden in der Regel chirurgisch entfernt – ein Routineeingriff, den auch die Klinik für Viszeral-, Thorax- und Gefäßchirurgie jährlich mehr als 100 Mal pro Jahr vornimmt. „Da wir bundesweit zu den führenden Zentren der minimal-invasiven Chirurgie gehören, sind wir sehr daran interessiert, die Bandbreite unserer Verfahren und der sogenannten Schlüssellochchirurgie stetig auszubauen“, sagt Prof. Weitz. Vor allem komplexe Eingriffe an Speiseröhre, Magen und Darm sowie Bauchspeicheldrüse oder Gallenblase gehören zu den Spezialitäten der Klinik. Im Mittelpunkt steht dabei die Versorgung von Krebspatienten. Aber auch die Korrekturen von Leistenbrüchen und weitere Standard-OPs führen die Operateure der Klinik hundertfach im Jahr in der Schlüsselloch-Technik aus.

„Die große wie vielfältige Erfahrung meines Teams prädestiniert uns, neue Verfahren einzuführen. Das aber ist kein Selbstläufer, denn die Sicherheit der Patienten und die höchstmögliche Qualität stehen an erster Stelle. Deshalb haben Dr. Sandra Leike und ich mehrere OP-Kurse unter anderem bei Prof. Martin Strik, dem deutschen Pionier der ABBA-Methode, absolviert“, so Prof. Weitz weiter. Nach dieser Phase des Lernens haben die Oberärztin und der Klinikdirektor am 2. Februar erstmals eine Patientin mit der ABBA-Methode operiert. Die Dresdnerin erfüllt alle Kriterien, die für diese OP-Technik gefordert sind: Die Veränderung der Schilddrüse war ein „Kalter Knoten“ und hatte eine relativ geringe Größe.

Dr. Leike kann gut verstehen, dass sich Frauen für die neue Form des Eingriffs entscheiden: „Es ist eine markante Stelle des Körpers – dort springt einem eine Narbe sofort ins Auge.“ Denn bei einer herkömmlichen Schilddrüsen-OP muss ein mindestens vier Zentimeter langer Schnitt gemacht werden. Genau vorhersehbar ist nicht, wie die Narbe verheilt. Manchmal bleibt es nicht bei einer feinen, unauffälligen Linie: So besteht die Gefahr, dass sich deutlich sichtbares, überschießendes Narbengewebe bildet. Der Schnitt durch die Hautschichten des Halses und dem darunterliegenden Gewebe kann weitere Folgen kosmetischer Natur haben. Etwa ein leichter Lymphstau als Folge des Schnitts, so dass es zu einer sichtbaren Schwellung kommt. Als einen weiteren Vorteil des minimalinvasiven Eingriffs der ABBA-Methode sieht Dr. Leike die höhere Präzision. Dank der Videokamera, die zu den OP-Instrumenten gehört, sieht sie das zu operierende Gebiet in mehrfacher Vergrößerung auf einem Bildschirm. „Damit können wir noch genauer sehen, wo zum Beispiel die Nerven in Richtung der Stimmlippen verlaufen. Sie sollten auf keinen Fall verletzt werden“, erklärt Dr. Leike.

Mit der ABBA-Methode ist der Weg der OP-Instrumente zur Schilddrüse deutlich länger. Die in Hülsen mit einem Durchmesser von fünf Millimetern eingeführten Instrumente – die selber teilweise nur drei Millimeter dick sind - werden in dem unter der Haut befindlichen Fettgewebe bewegt. Dabei ist ein Schnitt nur nötig, um einmal die Oberhaut zu öffnen – in der Achsel sind dies 1,5 Zentimeter im Bereich der Brust lediglich fünf Millimeter. Danach reicht es den Operateuren aus, CO2 zwischen die Gewebeschichten zu drücken, um sich den Weg zu bahnen – absolute Routine bei jedem Minimalinvasiven Eingriff, beispielsweise auch bei Operationen an Magen und Darm oder bei der Korrektur eines Leistenbruchs.

Kontakt für Patienten

Klinik für Viszeral-, Thorax- und Gefäßchirurgie
Patientenportal
Tel.: 0351 / 458 5400
eMail: klinikportal-vtg@uniklinikum-dresden.de

Holger Ostermeyer Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden
Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden, Fetscherstraße 74, 01307 Dresden, Sachsen, Holger Ostermeyer, Tel.: 0351 / 458-4162, Fax: 0351 / 458-884162, eMail: pressestelle@uniklinikum-dresden.de
11.02.2016
22.06.2017, 11:21 | dre
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