• Praxis [+]
  • Thomas Schönemann

DGIM e.V.

Umfrage zeigt: Leitlinien-Wissen kommt beim Arzt oft nicht an

Eine Ärztin schaut sich ein Röntgenbild genau an. © Foto: AOK-Mediendienst
Eine Ärztin schaut sich ein Röntgenbild genau an. © Foto: AOK-Mediendienst

Die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) identifiziert und benennt mit ihrer Initiative „Klug entscheiden“ Über- und Unterversorgung in der Medizin. Denn oft bekommen Patienten medizinische Untersuchungen und Behandlungen verschrieben, die ihnen nicht nützen oder sogar schaden. Andere, hilfreiche Methoden kommen dagegen zu selten zum Einsatz.

Warum es in der Praxis dazu kommt, erläutern DGIM-Mitglieder in einer Onlinebefragung. Die Ergebnisse der Umfrage stellen Experten der DGIM anlässlich des 122. Internistenkongresses in Mannheim vor.

Bildgebung – zum Beispiel Kernspintomographien – und umfassende Blutuntersuchungen sind zwei Beispiele für Leistungen, die Ärzte erbringen, obwohl sie nicht notwendig sind. Dies zeigt die Umfrage der DGIM unter rund 4.200 Ärzten. 70 Prozent der Befragten geben an, dass sie mehrmals pro Woche mit Überversorgung konfrontiert sind. Dass notwendige Leistungen nicht erbracht werden, erleben rund die Hälfte der Befragten weniger als ein Mal pro Woche,– 22 Prozent mehrmals. Ein Grund: Leitlinien sind oft unverständlich, unübersichtlich und zu lang. „Das legt für uns die Vermutung nahe, dass ein Teil der Fälle von Über– oder Unterversorgung darauf zurückzuführen sind, dass den Ärzten die notwendigen Informationen fehlen. Darüber hinaus ist die Sorge vor Behandlungsfehlern bei 80 Prozent der Befragten ein Grund für Überversorgung“, sagt Professor Dr. med. Gerd Hasenfuß, Kongresspräsident des 122. Internistenkongresses und Direktor der Klinik für Kardiologie und Pneumologie an der Universitätsmedizin Göttingen. Die Mitgliederumfrage bestärke die Fachgesellschaft darin, für Über- und Unterversorgungen anfällige medizinische Leistungen im Rahmen ihrer Initiative „Klug entscheiden“ zu benennen.

„Die Leitlinien, die aktuelles medizinisches Wissen abbilden, umfassen nicht selten über 150 Seiten und sind damit im Berufsalltag vieler Ärzte nicht geeignet, Informationen zu vermitteln“, sagt auch Professor Dr. med. Dr. h.c. Ulrich R. Fölsch, Generalsekretär der DGIM aus Kiel. Die Fachgesellschaft setze sich daher dafür ein, neue Formen von Leitlinien zu entwickeln.

Die Ergebnisse wird die DGIM auch in ihre Angebote für ihre Mitglieder einfließen lassen. „Wir haben erkannt, dass das Wissen aus Leitlinien nicht in Gänze beim praktizierenden Arzt ankommt“, so Professor Fölsch. Die DGIM bietet deshalb bereits eine digitale, kostenfreie Alternative an: Die App „Mobile Leitlinien Innere Medizin“ führt über Entscheidungsbäumen durch zahlreiche Leitlinien und ermöglicht Medizinern, im Arbeitsalltag evidenzbasiertes Wissen abzurufen und leitliniengerechte Entscheidungen bei der Behandlung von Patienten zu treffen.

Terminhinweis: 122. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin e. V.
Termin: 09. bis 12. April 2016
Ort: Congress Center Rosengarten Mannheim, Rosengartenplatz 2, 68161 Mannheim

Anna Julia Voormann, Pressestelle, Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin e.V.
DGIM, Pressestelle, Anne-Katrin Döbler/Anna Julia Voormann/Janina Wetzstein, Postfach 30 11 20, 70451 Stuttgart, Tel.: 0711 / 8931-457, Fax: 0711 / 8931-167, eMail: wetzstein@medizinkommunikation.org
08.03.2016
22.06.2017, 11:21 | tsc
Zurück