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  • Thomas Schönemann

Universitätsklinikum Tübingen

Uniklinikum Tübingen investiert 5,6 Mio Euro in moderne Produktionsstätte von Radiotracern

Arbeiten im Labor der Abteilung für präklinische Bildgebung und Radiopharmazie der Radiologischen Universitätsklinik Tübingen. © Foto: Uniklinikum Tübingen
Arbeiten im Labor der Abteilung für präklinische Bildgebung und Radiopharmazie der Radiologischen Universitätsklinik Tübingen. © Foto: Uniklinikum Tübingen

Das Universitätsklinikum Tübingen verfügt über eine der weltweit modernsten Ausstattungen im Bereich der Molekularen Bildgebung und der Nuklearmedizin *. Durch den gezielten Einsatz radioaktiv markierter Arzneimittel in Kombination mit hochauflösender Computertomographie (PET-CT) oder Magnetresonanztomographie (PET-MRT) können Erkrankungen genauer und früher diagnostiziert werden. Dazu bedarf es jedoch der Entwicklung und Produktion von Radiopharmaka.

Um diese Versorgung mit Radiopharmaka sicherzustellen, entsteht derzeit am Universitätsklinikum Tübingen eine der modernsten Produktionsstätten von radioaktiv markierten Arzneimitteln. Wie die Herstellung nach GMP-Kriterien *** funktioniert, und wie Forschung und Entwicklung neuester Radiotracer ** vorangetrieben werden, dazu konnten sich Ärzte aus der Region Anfang Februar am Klinikum informieren und erhielten Einblicke in neue, innovative Methoden der Molekularen Bildgebung und Radiopharmazie. Prof. Dr. med. Christian la Fougère, seit Ende 2013 Klinikchef und Lehrstuhlinhaber für Nuklearmedizin und klinische molekulare Bildgebung am Universitätsklinikum Tübingen, setzt damit auf eine enge Zusammenarbeit mit den Niedergelassenen Ärzten der Region, damit den Patienten die neuesten Bildgebungsverfahren unmittelbar zur Verfügung stehen.

Das Universitätsklinikum Tübingen investiert dazu 5,6 Mio Euro in neue Gebäude und Labore, deren Inbetriebnahme im Herbst 2014 geplant ist.

Schnelle und individuelle Diagnose und Therapie

Das von außen, d.h. ohne Eingriff in den Körper mögliche Erkennen von zum Teil sehr spezifischen Anzeichen von Erkrankungen auf molekularer Ebene kann für eine schnelle und sichere Diagnose und die weitere Einschätzung der Therapie genutzt werden. Im Idealfall kann dadurch mit einer einzigen Untersuchung die Diagnose erstellt werden bzw. frühzeitig eine bereits laufende oder geplante Therapie auf ihren Erfolg oder Misserfolg überprüft werden.
Um dies auch wissenschaftlich zu belegen, wird derzeit am Universitätsklinikum Tübingen eine Registerstudie unter Leitung von Prof. Christina Pfannenberg durchgeführt. Erste Ergebnisse aus dieser Studie weisen darauf hin, dass sich durch den gezielten Einsatz von PET/CT-Untersuchungen bei der Behandlung von bösartigen Tumoren bei rund der Hälfte der Patienten die Diagnostik und bei ca. 57 Prozent die Therapie verändert, wodurch kostbare Zeit und Ressourcen gespart werden können.

Dabei werden bekannte Diagnosemethoden immer weiter verfeinert und ermöglichen künftig immer mehr auf jeden einzelnen Patienten zugeschnittene, individuelle Diagnosen. Zurzeit existieren 20 bis 30 verschiedene Tracer, die in der modernen Diagnostik eingesetzt werden. „Wir sind stolz darauf, unseren Patienten nicht nur eine personalisierte Diagnostik, sondern auch vor Ort eine individuelle, patientenfreundliche Behandlung bieten zu können,“ freut sich Prof. Dr. Christian la Fougère, Ärztlicher Direktor der Abteilung Nuklearmedizin und mit 37 Jahren jüngster Ordinarius Deutschlands, der erst im September 2013 sein Amt in Tübingen angetreten ist. Die am Universitätsklinikum Tübingen in der Radiopharmazie hergestellten Tracer finden ihren Einsatz sowohl vor Ort am Uniklinikum als auch im Umland und werden bis hin zum Bodensee ausgeliefert.

Senkung der Strahlenbelastung bei Kindern

Vor allem bei Kindern, die besonders strahlensensibel sind, wird großer Wert auf die Minimierung der Strahlenexposition geachtet. Hier kann durch den gezielten Einsatz von PET-MR, so Prof. Jürgen Schäfer, bei der Behandlung von krebskranken Kindern die Strahlenbelastung bis zu 77 Prozent reduziert werden.

Prof. Dr. Christian la Fougère, Ärztlicher Direktor der Abteilung Nuklearmedizin am Universitätsklinikum Tübingen.
Prof. Dr. Christian la Fougère, Ärztlicher Direktor der Abteilung Nuklearmedizin am Universitätsklinikum Tübingen. © Foto: Universitätsklinikum Tübingen

* In der Nuklearmedizin werden Untersuchungen und Behandlungen durchgeführt, bei denen geringe Mengen radioaktiver Stoffe injiziert, deren Verteilung von außen gemessen und bildlich dargestellt werden. Je nach Art des injizierten radioaktiven Stoffes können auf diese Weise Organfunktionen und Stoffwechselveränderungen bestimmt bzw. Krankheitsprozesse lokalisiert werden.

** Radiotracer sind schwach radioaktiv markierte Substanzen, die in der Lage sind, krankhafte Veränderungen von Stoffwechselprozessen anzuzeigen.

*** GMP, Good Manufacturing Practice bezeichnet – vereinfacht gesagt - eine besonders sorgfältige Herstellungspraxis von Arzneimitteln und Wirkstoffen unter hoher Qualitätssicherung der Produktionsabläufe und –umgebung.

Pressemitteilung Universitätsklinikum Tübingen
Universitätsklinikum Tübingen, Radiologische Klinik, Nuklearmedizin, Prof. Dr. med. Christian la Fougère, Tel.: 07071 / 29-8 65 53, eMail: Christian.LaFougere@med.uni-tuebingen.de
12.02.2014
22.06.2017, 11:21 | tsc
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