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Kommentar Peter Stuckhard

Zulassung des Klinikums Herford als Brustzentrum. Eine Marketinghülse?

Besteck im OP. © Foto: Martin Büdenbender / pixelio.de
Besteck im OP. © Foto: Martin Büdenbender / pixelio.de

Bevor sie in eine Operation einwilligen, sollten Frauen mit Brustkrebs, die im neuen Brustzentrum des Klinikums Herford behandelt werden, immer eine ärztliche Zweitmeinung einholen. Die sicher tüchtigen Ärzte dort müssen als Opfer einer wirtschaftlich ausgerichteten Gesinnung jetzt nämlich Zahlen bringen.

Mindestens hundert Erstoperationen pro Jahr, 50 pro Operateur, muss das Klinikum in den nächsten Jahren nachweisen. Andernfalls wird es mit der im Übrigen noch ausstehenden Zertifizierung als Brustzentrum nichts. Es ist verstörend, dass die Landesregierung dem Klinikum, das in den letzten zehn Jahren nicht ein Mal die geforderten Operationszahlen erreicht hat, nun plötzlich eine Perspektive zubilligt. Hat die Bevölkerung im Versorgungsgebiet derart zugenommen, oder grassiert dort der Brustkrebs wütender als anderswo? Natürlich nicht.

Das bestehende kooperative Brustzentrum Bielefeld/Herford funktioniert tadellos. Selbst die Tatsache, dass die Gynäkologie im Lukas-Krankenhaus in Bünde von der Zulassungsbehörde in die Knie gezwungen worden ist, wird den Bedarf nicht steigern. So bleibt nur eine Erklärung: Die Landesregierung verbiegt auf Deubel komm raus die eigenen Zulassungskriterien, um ein kommunales Haus im Wettbewerb zu stützen. Der Qualitätsausweis "Brustzentrum" wird so womöglich zur Marketing-Hülse degradiert.

Ein Kommentar von Peter Stuckhard in der Neuen Westfälischen (Bielefeld).

Pressemitteilung Neue Westfälische
Neue Westfälische, News Desk, Tel.: 0521 / 555 271, eMail: nachrichten@neue-westfaelische.de
31.08.2014
22.06.2017, 11:21 | tsc
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