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Praktische Tipps

Darmkrebs muss nicht sein

Informierten vor 100 Besuchern über Darmkrebs und wie man diesen verhindern kann (von links): Oberarzt Dr. Ali Kartal, Ernährungsexpertin Dr. Gisela Labenz und Chefarzt Professor Dr. Joachim Labenz. © Foto: Diakonie in Südwestfalen
Informierten vor 100 Besuchern über Darmkrebs und wie man diesen verhindern kann (von links): Oberarzt Dr. Ali Kartal, Ernährungsexpertin Dr. Gisela Labenz und Chefarzt Professor Dr. Joachim Labenz. © Foto: Diakonie in Südwestfalen

Aus jeder Schulklasse erkrankt statistisch gesehen mindestens ein Kind irgendwann in seinem Leben an Darmkrebs. Dass sich diese Zahl mit relativ geringem Aufwand deutlich verringern ließe, belegen drei Mediziner vor 100 Besuchern im Hörsaal des Diakonie Klinikums Jung-Stilling in Siegen beim Vortrag “Darmkrebs kann verhindert werden”. Die vermeintliche Zauberformel ist einfach.

Aus jeder Schulklasse erkrankt statistisch gesehen mindestens ein Kind irgendwann in seinem Leben an Darmkrebs. Dass sich diese Zahl mit relativ geringem Aufwand deutlich verringern ließe, belegen drei Mediziner vor 100 Besuchern im Hörsaal des Diakonie Klinikums Jung-Stilling in Siegen beim Vortrag “Darmkrebs kann verhindert werden”. Die vermeintliche Zauberformel ist einfach: Wer sich gesund ernährt, regelmäßig möglichst an der frischen Luft bewegt und ab einem bestimmten Alter auch dann, wenn er keine Schmerzen verspürt, vorsorglich untersuchen lässt, gibt dem Darmkrebs kaum eine Chance, sich überhaupt zu bilden oder gar schlimme bis tödliche Folgen auszulösen. Auch deshalb ist es aus Sicht der Mediziner nur schwer verdaulich, dass in Deutschland noch immer pro Jahr 65 000 Menschen an Darmkrebs neu erkranken - und 26 000, darunter etwa 200 Frauen und Männer aus den Kreisen Siegen-Wittgenstein, Olpe und Altenkirchen, daran sterben.

“Darmkrebs ist der einzige Krebs, den man vermeiden kann”, hebt Chefarzt Professor Dr. Joachim Labenz, Medizinischer Direktor und Leiter der Inneren Medizin, die Früherkennung hervor. Menschen ab dem 55. Lebensjahr haben das Recht, sich kostenlos einer Darmspiegelung (Koloskopie) zu unterziehen. Doch nur 16 Prozent nutzen das Angebot. Schlecht für den Menschen, gut für den heimtückischen Darmkrebs. Denn über Jahre spüren Betroffene ihn nicht. Sie ahnen nichts von den Veränderungen an ihrer Darmschleimhaut, von den erst kleinen, dann größeren Polypen. Diese gutartigen Gewächse der Darmschleimhaut gelten als Vorstufe des Krebses. „Entfernt man sie rechtzeitig, dann entsteht er gar nicht“, sagt Joachim Labenz. Wenn nicht, dann wachsen die Polypen später zu Krebs aus und streuen vielleicht sogar auf benachbartes Gewebe.

“Als Darmkrebs bezeichnet man also eine bösartige Geschwulst der Dickdarmschleimhaut”, erklärt Oberarzt Dr. Ali Kartal den medizinischen Blick. Sechs Prozent der Bevölkerung und damit gut vier Millionen aller heute in Deutschland lebenden Menschen haben ihn oder werden ihn bekommen. Deshalb spricht Kartal von einer Volkskrankheit. Spätsymptome sind Blut oder Schleim im Stuhl, Krämpfe, Bleistift- oder Ziegenköttelstühle sowie Blutarmut. Bekommen kann ihn jeder. 75 Prozent der Fälle werden im Laufe des Lebens erworben. Ein Viertel ist genetisch bedingt.

“Auch bei einem fortgeschrittenen Krebsverlauf lohnt sich die Behandlung”, unterstreicht Professor Labenz. Zwar kann man den Krebs dann kaum mehr heilen, aber zumindest Lebensqualität und Lebensjahre der Erkrankten erhöhen. Er informierte über die Kombination von Therapieverfahren, die in der Medizinischen Klinik im Jung-Stilling-Krankenhaus angewendet werden, und begrüßte, dass in Deutschland schon bald alle Menschen ab dem 55. Lebensjahr von den Krankenkassen schriftlich zur Koloskopie eingeladen werden sollen.

“Jede fünfte Krebserkrankung kann durch gesunde Ernährung verhindert werden”, erläutert Ernährungsmedizinerin Dr. Gisela Labenz. Sie rät dazu, bunt und vielfältig zu essen. Obst, Gemüse, Vollkornprodukte und Fisch sollten auf dem Speiseplan ganz oben stehen. Ferner sorgen Milchprodukte für eine gesunde Balance des Darms.

Wie man selbst vorbeugen kann

  1. Essen: Täglich drei Portionen Gemüse und zwei Portionen Obst (eine Portion = etwa eine Hand voll) senken das Krebsrisiko laut Ernährungsexpertin Dr. Gisela Labenz deutlich. Milchprodukte sind gut für Knochen und Zähne. Und sie schützen vor Darmkrebs. Denn Milchsäurebakterien sorgen für die Balance im Darm. Die Fachfrau lobt Vollkornprodukte, Salate, Fruchtsalate, Nüsse und Mandeln, rät zu Walnuss- oder Rapsöl statt Olivenöl und empfiehlt ein bis zweimal pro Woche Fisch wegen der Eiweiße, Vitamine, des Jods und der Omega-3-Fettsäuren. Sparsam verzehrt werden sollte gepökeltes und rotes Fleisch sowie Kalorienbomben wie Sahnetorte oder Schokolade.
  2. Trinken: 1,5 bis 2 Liter Flüssigkeit (ca. 30 ml pro Kilogramm Körpergewicht) sollten es am Tag schon sein. Geeignet sind Wässer mit einem Natriumanteil von 20-150 mg pro Liter sowie Früchte- oder Kräutertees. Auch vier Tassen schwarzer Kaffee dürfen zur täglichen Trinkmenge angerechnet werden.
  3. Bewegung: Der Deutsche ist lauffaul. Im Durchschnitt legt er inklusive Arbeit und Freizeit täglich eine Gehstrecke von gerade einmal 750 Metern zurück. Dabei ist körperliche Aktivität wie Gehen, Joggen, Schwimmen, Radfahren oder Gymnastik nicht nur gut für einen gesunden Darm. Täglich eine halbe Stunde moderater Ausdauersport, möglichst an der frischen Luft, stärkt das Immunsystem und kann der Neubildung von Tumoren vorbeugen.
  4. Entspannung: Stress vermeiden, neue Kraft schöpfen, ausreichend schlafen, aktiv entspannen, den Bauch massieren und soziale Kontakte pflegen – was dem Menschen gut tut, hilft auch seinem Darm.
  5. Ach ja: Wieder keine guten Nachrichten für Raucher oder Biertrinker: Während Alkohol in bescheidenen Maßen akzeptabel ist, ist „das Rauchen für nichts gut und nur schädlich“, wie es Dr. Gisela Labenz formuliert. Das Darmkrebsrisiko ist für Raucher doppelt so hoch wie für Nichtraucher.
  6. Die Expertin hält zudem nichts von den gängigen Multivitamintabletten, die „eher schädlich als nützlich sind“.
Pressemitteilung Diakonie in Südwestfalen
Abteilung Presse & Kommunikation, Diakonie in Südwestfalen, Stefan Nitz, Abteilungsleiter/Pressesprecher, Tel.: 02 71 3 33-64 64, eMail: stefan.nitz@diakonie-sw.de
18.03.2015
22.06.2017, 11:21 | tsc
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