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  • Thomas Schönemann

Fachkräftemangel in der Pflege

bpa Thüringen schlägt Ausbildungsumlage vor

Pflege muss "geübt" sein. © Foto: Gerda Mahmens / pixelio.de
Pflege muss "geübt" sein. © Foto: Gerda Mahmens / pixelio.de

Nach jüngsten Studien benötigen die Pflegeeinrichtungen in Thüringen in den kommenden Jahren mehrere Tausend zusätzliche Fachkräfte, um ihren hohen Qualitätsstandard zu halten: Personalmangel war nur eines von zahlreichen pflegepolitischen Themen, die der Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste e. V. (bpa) Thüringen am Donnerstag in Erfurt mit Thüringer Landtagskandidaten diskutierte.

Denn nicht nur auf Bundes-, sondern auch auf Landesebene müssen wichtige Weichen gestellt werden, um die Versorgungsqualität für eine älter werdende Gesellschaft sicherzustellen. Eine Forderung ist die Einführung einer Ausbildungsumlage.

Die Vorsitzende des bpa Thüringen, Margit Benkenstein, beschrieb in der Diskussion die zahlreichen Anstrengungen, die der Pflegeverband in Thüringen unternimmt: "Wir haben die Ausbildungszahlen erheblich gesteigert. Wir unterstützen Umschulungen und Weiterbildungen, wir bemühen uns um ausländische Fachkräfte und betreiben Werbung für den Beruf - landauf, landab. Allerdings können wir es uns schlicht nicht länger leisten, dass die Pflegevergütung, ambulant wie stationär, bis zu 30 Prozent niedriger ist als in den westlichen Nachbarländern. So können in Thüringen keine konkurrenzfähigen Gehälter gezahlt werden, um die Abwanderung zu stoppen."

Benkenstein und der bpa Thüringen hoffen auf die Unterstützung der Politik, um ein Verhandlungsklima zu schaffen, in dem die Pflegekassen angemessene Preissteigerungen zulassen. Anders als der Thüringer Sozialstaatssekretär Dr. Schubert hält Benkenstein es aber für unrealistisch, dies von einem Branchentarifvertrag abhängig zu machen: "Wir brauchen kurzfristig deutlich höhere Pflegevergütungen und Gehälter der Beschäftigten - und damit gute Bedingungen für die Beschäftigten und die Betriebe."

Um neue Fachkräfte auszubilden und bereits ausgebildete für Thüringen zu gewinnen, soll die Zulassung von Altenpflegehelferinnen zur Weiterbildung zur Fachkraft unbürokratischer laufen. Thüringen muss endlich das Schulgeld an privaten Altenpflegeschulen abschaffen. Außerdem schlägt der bpa Thüringen eine Ausbildungsumlage vor, damit möglichst vielen Betrieben die Ausbildung ermöglicht wird.

Beim jüngst verabschiedeten Wohn- und Teilhabegesetz warten die Pflegeeinrichtungen weiter auf die Entwürfe der Rechtsverordnung, da hier die in der Praxis entscheidenden Punkte geregelt werden sollen: "Werden Regeln verschärft oder werden Hürden abgebaut? Wir wissen es nicht. Es ist zu befürchten, dass die entsprechenden Ausführungen vor der Landtagswahl nicht mehr veröffentlicht werden. Damit bleibt eine entscheidende Regelungslücke", kritisiert Benkenstein und fordert die Einbeziehung der Anregungen der Leistungserbringer in die Rechtsverordnung.

Der Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste e. V. (bpa) bildet mit mehr als 8.000 aktiven Mitgliedseinrichtungen (davon fast 200 in Thüringen) die größte Interessenvertretung privater Anbieter sozialer Dienstleistungen in Deutschland. Einrichtungen der ambulanten und (teil-)stationären Pflege, der Behindertenhilfe und der Kinder- und Jugendhilfe in privater Trägerschaft sind im bpa organisiert. Die Mitglieder des bpa tragen die Verantwortung für rund 245.000 Arbeitsplätze und circa 18.900 Ausbildungsplätze. Das investierte Kapital liegt bei etwa 19,4 Milliarden Euro.

Pressemitteilung Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste e.V. (bpa)
Herbert Mauel/Bernd Tews, bpa-Geschäftsführer, Tel.: 030 / 30878860 - Thomas Engemann, bpa Landesbeauftragter, Tel.: 0361 / 6538688
10.07.2014
22.06.2017, 11:21 | tsc
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