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Deutsche Gesellschaft für Senologie (DGS)

Brustkrebs: Personalisierte Behandlung soll Chemotherapie begrenzen

© Foto: ich-und-du / pixelio.de
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Brustkrebs kann heute, wenn er frühzeitig entdeckt wird, in den meisten Fällen geheilt werden. Mediziner suchen deshalb nach Möglichkeiten, die Therapie auf das notwendige Maß zu begrenzen. Einen Weg verspricht die personalisierte Therapie.

Mit ihrer Hilfe soll aus einer länger werdenden Liste von Medikamenten das richtige Medikament für den richtigen Patienten zum richtigen Zeitpunkt ausgewählt werden. Dafür ist eine umfassende molekulare Charakterisierung des individuellen Tumors und der betroffenen Patientin erforderlich. Neue Hochdurchsatzverfahren erlauben schon heute, die molekulare Vielfalt des individuellen Brustkrebses besser abzubilden als je zuvor.

Neben der frühen Diagnose und der rechtzeitigen Operation sind die guten Behandlungsergebnisse beim Brustkrebs im Frühstadium vor allem der sogenannten adjuvanten Therapie zu verdanken, berichtet Professor Dr. med. Andreas Schneeweiss, Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Senologie, Sektionsleiter Gynäkologische Onkologie, Nationales Centrum für Tumorerkrankungen, Universitätsklinikum, Heidelberg. Die adjuvante Therapie erfolgt heute mit Antihormonen, Zytostatika oder monoklonalen Antikörpern. Sie schließt sich an die Operation an und verfolgt das Ziel, bereits im Körper vorhandene Mikrometastasen zu vernichten. Bisher erhielten alle Frauen im selben Brustkrebsstadium die gleiche Therapie. „Nach heutigem Kenntnisstand hat dies häufig eine Übertherapie oder Fehlbehandlung zur Folge“, sagt Schneeweiss: „Einige Patientinnen würden auch mit weniger Medikamenten oder ganz ohne Chemotherapie überleben.

“Eine Unterscheidung gelingt heute zunehmend durch die molekularbiologische  Untersuchung der Tumorzellen. „Sogenannte Genexpressionsanalysen erkennen, welche Gene in den Tumorzellen aktiv sind“, erläutert Prof. Schneeweiss. „Die Gen-Signatur erlaubt dann Rückschlüsse über die Aggressivität der Tumorzellen.“ Studien untersuchen derzeit ob eine „intrinsische Signatur“, „Amsterdam-Signatur“, „Genomic Grade Index“ oder der „Recurrence Score“ erkennen können, welchen Patientinnen künftig eine adjuvante Therapie erspart werden könnte. Prof. Schneeweiss hofft, dass es etwa 15 bis 30 Prozent sein werden, ohne natürlich den Ergebnissen der laufenden Studien vorgreifen zu können. „Es ist höchste Zeit, die one-size-fits-all Strategie bei der Brustkrebsbehandlung zu verlassen“, meint der Experte.

Bei der personalisierten Brustkrebstherapie kommen zunehmend Medikamente zum Einsatz, die nur bei manchen Patientinnen wirken, ohne dass dies immer durch Tests vorhersehbar wäre. Diese Medikamente könnten laut Prof. Schneeweiss am besten im Rahmen einer neo-adjuvanten Therapie eingesetzt werden. Dabei erhalten die Patientinnen die Medikamente vor der Operation. Regelmäßige Untersuchungen von Gewebeproben des Tumors könnten zeigen, ob die Therapie anschlägt. Im Idealfall sind während der Operation keine lebenden Tumorzellen mehr im Tumor nachweisbar. „Wir wissen heute schon, dass das Zerstören aller Krebszellen in der Brust und den Achselhöhlen-Lymphknoten bei einigen Brustkrebsformen die Chance auf Heilung erhöht“, berichtet Prof. Schneeweiss.

Die neuen Konzepte der Brustkrebsbehandlung sind sehr komplex. Ihre Umsetzung wird nach Einschätzung von Prof. Schneeweiss nur in hochspezialisierten Zentren möglich sein. „Ein wichtiger Schritt war die Schaffung sogenannter Comprehensive Cancer Center nach amerikanischem Vorbild“, sagt der Experte: „Dies sind Institutionen wie zum Beispiel das Nationale Centrum für Tumorerkrankungen in Heidelberg, in denen Grundlagenforscher und Kliniker unter einem Dach zusammenarbeiten.“

 

Pressemitteilung der Deutschen Gesellschaft für Senologie (DGS)
01.08.2012
22.06.2017, 11:21 | tsc
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