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Brustkrebs-Früherkennungsprogramm

Mit der e-card zur Früherkennungs-Mammographie

Erweiterung beim Brustkrebs-Früherkennungsprogramm sorgt für mehr Selbstbestimmung der Frauen. © Foto: Dirk Schelpe / pixelio.de
Erweiterung beim Brustkrebs-Früherkennungsprogramm sorgt für mehr Selbstbestimmung der Frauen. © Foto: Dirk Schelpe / pixelio.de

Um eine weitere Steigerung der Teilnahmerate im Österreichischen Brustkrebs-Früherkennungsprogramm zu erreichen, haben die Sozialversicherung und die österreichische Ärztekammer gemeinsam Maßnahmen erarbeitet und werden diese in den nächsten Wochen umsetzen.

Im Rahmen des österreichischen Brustkrebs-Früherkennungsprogramms werden Frauen zwischen 45 und 69 Jahren zur Früherkennungs-Mammographie alle zwei Jahre eingeladen. Zu diesen Eckpunkten bekennen sich Sozialversicherung und Ärztekammer. Das auf wissenschaftlicher Basis erstellte Programm wird in seinen Grundsätzen weitergeführt. Bei den im Sommer kommenden Maßnahmen handelt es sich um Maßnahmen, die der Erhöhung der Teilnahmerate dienen. Frauen, die sich für eine Untersuchung entscheiden, sollen diese so einfach wie möglich in Anspruch nehmen können.

Mit der e-card zur Früherkennungsmammographie

„Um das Programm zu stärken und weiter auszubauen gehen wir einen weiteren Schritt und schalten die e-card für die Früherkennungsmammographie frei, d.h. konkret, dass die Frauen nur mit ihrer e-card zur Früherkennung gehen können, ohne Einladung, ohne Zuweisung“, so Manfred Brunner, Obmann der Vorarlberger Gebietskrankenkasse und Verhandlungsführer seitens der Sozialversicherung bei der Programmentwicklung.

„Die Frauen müssen keine Einladung anfordern und benötigen auch keine Zuweisung. Denn die e-cards aller Frauen der Zielgruppe zwischen 45 und 69 Jahren werden vorab zur Früherkennungs-Mammographie freigeschalten. Die Frau entscheidet entweder selbst oder konsultiert zuvor einfach ihre Vertrauensärztin/ihren Vertrauensarzt und kann sofort einen Mammographie-Termin vereinbaren“, beschreibt Univ. Doz. Dr. Franz Frühwald, Obmann der Bundesfachgruppe Radiologie der Österreichischen Ärztekammer. Das Untersuchungsintervall von zwei Jahren bleibt dabei weiter bestehen. Von den Änderungen nicht betroffen sind die Einladungsschreiben, die weiterhin alle Frauen über die Möglichkeit einer Früherkennungsmammographie informieren und zu einer aktiven Entscheidung einladen. Frauen, welche eine Mammographie in Anspruch genommen haben, erhalten im Regelfall 24 Monate danach eine erneute Einladung, außer medizinisch ist ein kürzerer Zeitraum vorgesehen.

Erweiterung der Zielgruppe für Opt-In auf 70 plus

Auch hier wird das Programm ergänzt. Somit können künftig Frauen von 40 bis 44 Jahren und ab 70 Jahren ohne Altersbeschränkung ihre persönliche Einladung beim Brustkrebs-Früherkennungsprogramm anfordern und werden in der Folge alle zwei Jahre per Post eingeladen. „Die Zielgruppe war schon vorher in Österreich breiter als anderswo: Viele europäische Länder richten sich nämlich nach internationalen Empfehlungen und laden ausschließlich Frauen von 50 bis 69 Jahren ein. Wir möchten auch älteren Frauen die Durchführung einer Früherkennungs-Mammographie ermöglichen“, sagt Dr.in Marianne Bernhart, programmverantwortliche Medizinerin.

„Außerdem arbeiten wir an einer Möglichkeit, dass sich Frauen im Alter von 40 bis 44 Jahren sowie über 70 Jahre neben der telefonischen Anmeldung bei der Serviceline über ein Webformular auf der Programmwebsite www.frueh-erkennen.at zum Programm anmelden. Dieses Web Opt-In wird ab circa Mitte Mai zur Verfügung stehen und den Zugang zum Programm noch weiter vereinfachen“, ergänzt Dir. Mag. Andreas Obermaier, in der WGKK für das Brustkrebs-Früherkennungsprogramm verantwortlich.

Ziel: Teilnahmerate steigern

Ziel des Österreichischen Brustkrebs-Früherkennungsprogramms ist es, langfristig eine stabile Teilnahmerate zu erreichen. Dass diese Rate nicht innerhalb von Wochen bis Monaten erreicht werden kann, zeigt der Blick in andere Länder, in denen strukturierte Screening-Programme teilweise bereits seit Jahrzehnten umgesetzt werden: So wurde das Mammographie-Screening beispielsweise in Deutschland zwischen 2005 und 2009 regional zeitlich unterschiedlich eingeführt und unterlag insbesondere in der Aufbauphase teilweise deutlichen saisonal bedingten Schwankungen. Die Teilnahmerate im deutschen Programm liegt seit Programmeinführung weitgehend stabil bei 54 %.[i]

Steigende Inanspruchnahme von Früherkennungsmammographien

Innerhalb der ersten 18 Kalenderwochen 2014 haben 324.000 Frauen eine Einladung zur Früherkennungs-Mammographie erhalten. Bis 2. Mai wurden österreichweit 178.276 Mammographien durchgeführt. Der Anteil der Früherkennungsmammographien steigt seit Programmbeginn kontinuierlich und machte zuletzt 1/3 aller durchgeführten Mammographien aus. „Um die Teilnahmerate zu erhöhen, haben wir nun gemeinsam mit der Sozialversicherung Maßnahmen entwickelt, die greifen werden“, erklärt Frühwald. Brunner ergänzt: „Sozialversicherung und Ärztekammer haben gemeinsam festgestellt, dass diese Teilnahmeraten noch zu gering sind und daher weitere Anstrengungen nötig sind.“

Zusammenarbeit aller beteiligten Berufsgruppen für Programmerfolg wichtig

„Neben organisatorischen Maßnahmen ist es vor allem der positive Zugang aller beteiligten Berufsgruppen, der für ein Gelingen des Programms sowie eine positive Akzeptanz unter den Frauen unerlässlich ist“, betont Bernhart. Auch die Österreichische Krebshilfe ruft zur Teilnahme auf, eine entsprechende Empfehlung ist seit Mai auf den Einladungsschreiben. Schließlich stellt das Österreichische Brustkrebs-Früherkennungsprogramm erstmals einen strukturierten, qualitätsgesicherten Ablauf zur Früherkennung von Tumoren dar.

Diagnostische Mammographie außerhalb des Programms

Frauen mit familiär erhöhtem Risiko, Frauen mit Beschwerden sowie bereits erkrankte Frauen – all diese werden jederzeit und altersunabhängig weiterhin von der Vertrauensärztin/dem Vertrauensarzt zur diagnostischen Mammographie zugewiesen.

Mehrsprachige Informationen unter www.frueh-erkennen.at
Telefon-Serviceline: 0800 500 181 (Mo–Fr 8:00–18:00 Uhr)

Das Österreichische Brustkrebs-Früherkennungsprogramm bietet einen qualitätsgesicherten, systematischen Ablauf für Frauen in Österreich. Es ersetzt alle bisherigen Mammographie-Angebote zur Früherkennung von Brustkrebs. Frauen im Alter zwischen 45 und 69 Jahren erhalten alle 24 Monate eine persönliche Einladung zugesandt, die als direkte Berechtigung für eine Mammographie gilt; eine Zuweisung zur Untersuchung ist nicht mehr notwendig. Frauen im Alter von 40 bis 44 Jahren sowie alle, die 70 Jahre oder älter (ab 75 Jahren ab Inkrafttreten der neuen Maßnahmen) sind, können einen Einladungsbrief über die kostenlose Telefon-Serviceline anfordern.

Das qualitätsgesicherte Mammographie-Screening gilt derzeit als die verlässlichste Methode zur Früherkennung von Brustkrebs. Umfassende Qualitätskriterien für die Untersuchung – wie eine standardisierte Doppelbefundung nach dem 4-Augen-Prinzip sowie neueste technische Geräte – und verbindliche Zertifizierungen für die am Früherkennungsprogramm teilnehmenden Radiologinnen und Radiologen sichern

die hohe Qualität des Programms. Die Möglichkeit zur „diagnostischen Mammographie“, die der Abklärung von Beschwerden oder eines Krankheitsverdachts dient, wird nicht verändert.

Das Österreichische Brustkrebs-Früherkennungsprogramm ist eine gemeinsame Initiative von Bund, Sozialversicherung, Ländern und Österreichischer Ärztekammer.

[i] Evaluationsbericht 2010. Ergebnisse des Mammographie-Screening-Programms in Deutschland. Kooperationsgemeinschaft Mammographie, Berlin, Februar 2014.

Pressemitteilung Österreichische Sozialversicherung
Mag.a Katrin Gastgeb, Wiener Gebietskrankenkasse, Wienerbergstraße 15-19, A- 1100 Wien, Tel.: +43 1 601 22 3877, eMail: katrin.gastgeb@wgkk.at
07.05.2014
22.06.2017, 11:21 | tsc
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