• Verbände [+]
  • Thomas Schönemann

Nationalakademie Leopoldina

Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina plädiert für Neuregelungen in der Transplantationsmedizin

Organ-Transport per Helikopter. © Foto: DSO
Organ-Transport per Helikopter. © Foto: DSO

Das Vertrauen in das derzeitige System der Organverteilung in der deutschen Transplantationsmedizin ist stark gesunken. Auslöser waren Richtlinienverstöße an mehreren Kliniken. Wie kann die Frage nach der Verteilung von Spenderorganen künftig besser gelöst werden? Wie kann Vertrauen zurückgewonnen werden?

Um diese Fragen zu diskutieren, hat die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina am 20. Februar (Transplantations-)Mediziner, Juristen und Ethiker sowie Vertreter der zuständigen Gremien der Bundesärztekammer und Eurotransplant in einem Symposium zusammengebracht.

Im Anschluss an die Diskussion veröffentlicht die Leopoldina nun Vorschläge für mögliche Neuregelungen in der Transplantationsmedizin und bei der Verteilung von Spenderorganen. Ergänzend erscheint eine Dokumentation des Symposiums, um transparent zu machen, entlang welcher Konfliktlinien die Diskussionen verliefen.

Im Mittelpunkt des Symposiums standen Fragen nach Kriterien der Organverteilung, der Durchführung von Transplantationen, dem Rechtsschutz für Patienten und der Kontrolle von Abläufen und ihrer Qualität in der Transplantationsmedizin. Auf der Grundlage der Fachdiskussion wurde ein Papier der Reihe „Leopoldina-Diskussion“ erstellt. Dieses analysiert einige der zentralen Problemfelder des jetzigen Systems und nimmt die verschiedenen Anregungen des Symposiums zu Neuregelungen auf.

Das Diskussionspapier empfiehlt einen effektiven Rechtsschutz für Patienten. Dieser soll Möglichkeiten eröffnen, gegen die Entscheidung, nicht in Wartelisten aufgenommen zu werden beziehungsweise von diesen gestrichen zu werden, zu klagen. Hierfür bedarf es klarer rechtlicher Zuständigkeiten und Strukturen, die zeitnahe Entscheidungen ermöglichen.

Hinsichtlich der Verteilungskriterien empfehlen die Autoren, stärker als bisher zu berücksichtigen, dass medizinische Expertise zwar eine zentrale Rolle spielt, die Verteilungskriterien jedoch auch eine starke normative Dimension haben. Diesbezügliche Regelungen können deshalb nur vom demokratisch legitimierten Parlament vorgenommen werden.

Zudem schlagen die Experten Änderungen in der Organisationsstruktur der Transplantationsmedizin vor: Bislang wird die Kontrolle der Abläufe und ihrer Qualität von der Bundesärztekammer mit ehrenamtlichen Experten versehen. Es sollte darüber nachgedacht werden, stattdessen eine unabhängige Institution mit hauptamtlichen Mitarbeitern einzurichten. Diese wäre gehalten, mittels transparenter Struktur und Arbeitsweise das Vertrauen in die Transplantationsmedizin nachhaltig zu sichern.

Schließlich enthält das Diskussionspapier ein Plädoyer dafür, die Anzahl der Kliniken zu reduzieren, an denen Transplantationen durchgeführt werden. An diesen Transplantationszentren sollte dabei neben dem chirurgischen Eingriff auch die Vor- und Nachsorge sowie eine entsprechende Forschungstätigkeit angesiedelt sein.

Teilnehmer des Symposiums am 20. Februar in Berlin waren Wissenschaftler aus den Fachgebieten Medizin, Rechtswissenschaften, Philosophie und Ethik, darunter Vertreter der Ständigen Kommission Organtransplantation der Bundesärztekammer, der Vertrauensstelle Transplantationsmedizin der Bundesärztekammer, der Stiftung Eurotransplant sowie der Ethikkommission der Deutschen Transplantationsgesellschaft. Initiator des Fachgesprächs waren die beiden Wissenschaftlichen Kommissionen „Gesundheit“ und „Wissenschaftsethik“ der Leopoldina unter der wissenschaftlichen Leitung von Professor Rüdiger Siewert, Ärztlicher Direktor des Universitätsklinikums Freiburg, und Mitglied der Leopoldina.

Transplantationsmedizin und Organallokation in Deutschland: Probleme und Perspektiven, Leopoldina-Diskussion Nr. 5, ISBN: 978-3-8047-3444-9

Weitere Informationen:
http://www.leopoldina.org/de/transplantation

Caroline Wichmann, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina
Caroline Wichmann, Leiterin der Abteilung Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Tel.: 0345 / 47239 - 800, eMail: caroline.wichmann@leopoldina.org
25.03.2015
22.06.2017, 11:21 | tsc
Zurück