• Verbände [+]
  • Thomas Schönemann

ZQP-Studie

Versorgungsdefizite in der ambulanten Pflege

ZQP-Studie zeigt regionale Unterschiede: In den nördlichen Bundesländern reicht die Hilfe oftmals nicht aus, vor allem wenn pflegebedürftige Menschen allein leben. © Foto: adel / pixelio.de
ZQP-Studie zeigt regionale Unterschiede: In den nördlichen Bundesländern reicht die Hilfe oftmals nicht aus, vor allem wenn pflegebedürftige Menschen allein leben. © Foto: adel / pixelio.de

Bei der Versorgungssituation häuslich Gepflegter zeigen sich im bundesweiten Vergleich deutliche Unterschiede. Zu diesem Ergebnis kommt eine gemeinsame Studie der Stiftung Zentrum für Qualität in der Pflege (ZQP) und des Instituts für Medizin-, Pflegepädagogik und Pflegewissenschaft an der Charité Universitätsmedizin Berlin. Demnach besteht im Norden Deutschlands bei jedem zweiten Pflegebedürftigen zusätzlicher Hilfe- und Pflegebedarf.

So gibt es in Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Schleswig-Holstein deutlich häufiger als in anderen Bundesländern Anhaltspunkte dafür, dass die Versorgung nicht ausreichend ist. Im Bundesdurchschnitt gilt dies für immerhin jeden Dritten.

Vor allem alleinlebende Menschen mit Pflegebedarf sind davon betroffen: Laut Studie hat in Mecklenburg-Vorpommern oder Schleswig-Holstein mehr als jeder zweite von ihnen zusätzlichen Hilfe- und Pflegebedarf. "Da sich im letzten Jahrzehnt die Zahl der alleinlebenden Pflegebedürftigen verdoppelt hat, wird die Frage nach einer angemessenen Unterstützung dieser stark wachsenden Gruppe immer wichtiger. Hierbei können gerade auch ehrenamtliche Strukturen eine wichtige Rolle spielen", erklärt Dr. Ralf Suhr, Vorstandsvorsitzender des ZQP. Während in Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz alleinlebende Pflegebedürftige zumindest hin und wieder Besuch von Nachbarn, Freunden oder Angehörigen bekommen, bleiben in Berlin fast 30 Prozent der zu Pflegenden allein zu Hause. "Der einzige soziale Kontakt besteht hier in den täglichen Routinebesuchen des ambulanten Dienstes", so Suhr. Besonders ausgeprägt ist die Einsamkeit alleinlebender pflegebedürftiger Menschen auch in Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern, wo nur etwa jeder Fünfte bzw. Siebte ausschließlich Besuch vom Pflegedienst bekommt.

Bei den in der Studie befragten Pflegebedürftigen ist der überwiegende Teil mit seiner ambulanten Versorgung zufrieden. 63 Prozent der Befragten empfinden die Arbeitsweise als sehr angenehm. Immerhin 60 Prozent der Pflegebedürftigen geben an, mehr vom Leben zu haben, seit sie ambulant betreut werden. Fast die Hälfte ist zudem der Meinung, dass der Pflegedienst unterstützend in der Aufrechterhaltung von Kontakten zu Freunden und Bekannten wirkt.

Hintergrundinformationen zur Studie

Die vorliegende Untersuchung wurde als multizentrische Querschnittstudie durchgeführt und basiert auf einer Zufallsstichprobe ambulanter Pflegedienste in Deutschland, bei denen wiederum jeweils zufällig ausgewählte Klienten befragt wurden. Insgesamt haben bundesweit 100 Pflegedienste sowie 880 Pflegebedürftige teilgenommen. Durch die Studie liegen erstmalig von unabhängiger Seite bundesweit systematisch erhobene Daten zu pflegerelevanten Gesundheitsproblemen in der ambulanten Pflege und Versorgung in der Bundesrepublik Deutschland vor.

Erhoben wurden die Daten als Survey zur Ermittlung der Punktprävalenz mittels Fragebogen. Der Survey umfasste einen "Erhebungsbogen" zu gesundheitsrelevanten Problemen, den eine Fachkraft ausfüllte, einen "Angehörigenbogen", der vom Pflegebedürftigen selbst und dessen pflegenden Angehörigen oder Bekannten beantwortet wurde. Die Auswertung der Daten erfolgte von November 2012 bis Dezember 2014 durch das Institut für Medizin-, Pflegepädagogik und Pflegewissenschaft an der Charité Universitätsmedizin Berlin.

Mehr zur Studie unter www.zqp.de

Pressemitteilung der Stiftung Zentrum für Qualität in der Pflege (ZQP)
Torben Lenz, Tel: 030 / 275 93 95 - 15, eMail: torben.lenz@zqp.de
20.01.2015
22.06.2017, 11:21 | tsc
Zurück