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Deutsche Krebsgesellschaft e.V.

Zentren, Zertifizierung, Zusammenarbeit – unerlässlich für die Qualitätssicherung

Brandenburger Tor Berlin. © Foto: Carl-Ernst Stahnke / pixelio.de
Brandenburger Tor Berlin. © Foto: Carl-Ernst Stahnke / pixelio.de

Die Deutsche Krebsgesellschaft (DKG) und die Deutsche Krebshilfe (DKH) haben sich die Qualitätssicherung und -steigerung in der Versorgung von Krebspatienten auf die Fahnen geschrieben. Dr. Johannes Bruns, Generalsekretär der DKG, gibt im Vorfeld des Deutschen Krebskongresses 2014 Auskunft, wie beide Gesellschaften diese Aufgabe mit der Zertifizierung von Zentren der onkologischen Behandlung gemeinsam angehen.

Herr Dr. Bruns, die Deutsche Krebsgesellschaft und die Deutsche Krebshilfe haben sich die Qualitätssicherung und -verbesserung in der Versorgung von Krebspatienten auf die Fahnen geschrieben. Wie gehen Sie diese Aufgabe an?

Dr. Johannes Bruns: Die Deutsche Krebsgesellschaft und die Deutsche Krebshilfe sehen es als eine ihrer primären Aufgaben an, sicherzustellen, dass Krebskranke in jeder Phase ihrer Erkrankung die beste Behandlung bekommen. Sie soll dem aktuellen medizinischen Wissen entsprechen und auf einer breiten Expertise basieren. Alle, die an der Behandlung eines Krebspatienten beteiligt sind, egal ob stationär oder ambulant, sollen zusammenarbeiten und sich abstimmen. Diese Anforderungen sind in einem Zentrum der onkologischen Behandlung, also einem Netzwerk, am besten umgesetzt. Aus diesem Grund setzen wir uns seit Jahren für die Zentrenbildung ein. Die Qualität der Zusammenarbeit, die Strukturen, Prozesse und Behandlungsergebnisse eines Zentrums lassen sich mit den Zertifizierungsverfahren überprüfen und verbessern. Da DKG und DKH das gleiche Ziel verfolgen, ist es nur naheliegend, dass wir bei der Qualitätssicherung zusammenarbeiten.

Wie sieht das konkret aus?

Dr. Johannes Bruns: Wir sprechen beim Zertifizierungssystem von DKG und DKH vom so genannten Drei-Stufen-Modell: Die DKG zertifiziert dabei Organkrebszentren, die auf ein Organ oder ein Fachgebiet spezialisiert sind. Darüber hinaus werden von der DKG Onkologische Zentren zertifiziert, deren Behandlungsangebot sich auf mehrere Organe oder Fachgebiete erstreckt. Onkologische Spitzenzentren, die neben der Krebsbehandlung zusätzlich translationale Forschung und Lehre betreiben, werden über die Deutsche Krebshilfe im Rahmen eines Förderprogramms auditiert und gefördert.
Im Auditverfahren arbeiten DKG und DKH seit 2013 mit einheitlichen Erhebungsbögen. Sie wurden im Rahmen des Nationalen Zertifizierungsprogramms erarbeitet und stellen sicher, dass ein Patient überall die gleiche Behandlung erhält, egal in welchem zertifizierten Zentrum er betreut wird.

Welche Vorteile haben diese Zentren für den Patienten?

Dr. Johannes Bruns: Als Grundelement fordern wir Zusammenarbeit. Gemeint ist eine multi- und interdisziplinäre, transsektorale und sogar standortübergreifende Kooperation von Experten. Beispielsweise von Chirurgen und Radiologen in Zusammenarbeit mit niedergelassenen Ärzten und Mitarbeitern der Pflege oder Sozialarbeit. Das Prinzip der Interdisziplinarität und der Intersektoralität wird zum Beispiel in den Tumorkonferenzen zertifizierter Zentren nachweislich erfolgreich gelebt. Alle, die an der Behandlung eines Patienten beteiligt sind, beraten in der Tumorkonferenz gemeinsam über die beste Therapie für diesen Patienten.

Was sind weitere Besonderheiten bei DKG und DKH in der Qualitätssicherung?

Dr. Johannes Bruns: Grundlage der Zertifizierung sind evidenzbasierte Leitlinien. Das heißt, die Zertifizierung von Zentren folgt den besten derzeit verfügbaren wissenschaftlichen Erkenntnissen. Im Rahmen der Leitlinienerstellung bzw. -aktualisierung werden in einer interdisziplinären, multiprofessionellen Arbeitsgruppe nach einem standardisierten Verfahren Indikatoren abgeleitet, die zur Beurteilung der Qualität in der klinischen Versorgung dienen. Alle im Rahmen des Leitlinienprogramms Onkologie erstellten Leitlinien enthalten solche Kennzahlen, die auch konsequent in Zentren implementiert werden.

Um Unabhängigkeit sicherzustellen, wird das Leitlinienprogramm Onkologie von der DKH finanziert. Für die Erfassung aller Bereiche einer Krebserkrankung sind bei der Erarbeitung der Leitlinien und auch der Erhebungsbögen alle Fachgesellschaften und Berufsverbände vertreten, die in der Onkologie tätig sind. Das bedeutet: Neben Mitgliedern der ärztlichen und pflegerischen Fachgesellschaften sind unter anderem auch Psychoonkologen, Sozialarbeiter und Patientenvertreter an der Erarbeitung beteiligt. So stellen wir sicher, dass alle relevanten fachlichen Anforderungen berücksichtigt werden. Das ist einmalig in Deutschland und findet auch international Anklang.

Wie viele zertifizierte Zentren gibt es und für welche Krebsarten?

Dr. Johannes Bruns: Inzwischen existieren mehr als 850 DKG-zertifizierte Organkrebszentren und Onkologische Zentren. Es gibt Brustkrebszentren, Darmkrebszentren, gynäkologische Krebszentren, Kopf-Hals-Tumor-Zentren, Lungenkrebs-, Hautkrebszentren, neuroonkologische Zentren, Pankreaskarzinom- und Prostatakrebszentren. Das Netz an Brustkrebszentren ist in Deutschland am besten ausgebaut. Mehr als 90 Prozent der Erkrankten werden dort behandelt. Bei anderen Krebsarten, wie Lungenkrebs, sind es rund ein Viertel der Patienten, bei Darm- und Prostatakrebs gut ein Drittel. Darüber hinaus gibt es rund 50 von der DKG zertifizierte Onkologische Zentren in Deutschland, deren Arbeit sich jeweils auf mehrere Organe bzw. Fachgebiete bezieht.

Die Deutsche Krebshilfe fördert derzeit 12 Onkologische Spitzenzentren, die sie in Auditverfahren geprüft hat und die die Anforderungen an eine exzellente translationale Forschung erfüllen: Dresden, Köln/Bonn, Tübingen, Heidelberg, Berlin, Erlangen, Essen, Frankfurt, Hamburg, Ulm, Würzburg und Freiburg.

Trotz dieser beeindruckenden Zahlen profitieren noch lange nicht alle Patienten in Deutschland von einer qualitativ gesicherten, hochwertigen Krebsversorgung. DKG und DKH setzen sich gemeinsam dafür ein, dass langfristig alle Krebspatienten Zugang zu einer hohen Versorgungsqualität bekommen.

Presse-Newsletter DKK von Deutscher Krebsgesellschaft/Deutscher Krebshilfe
Renate Babnik, Tel.: 030-3229329-25, eMail: presse@dkk2014.de
17.01.2014
22.06.2017, 11:21 | tsc
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