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Familiärer Brustkrebs

Brustkrebs - Eine Familienangelegenheit?

© Rainer Sturm / pixelio.de

Bei ca. 10% aller Brustkrebserkrankungen besteht eine genetische Veränderung, die das Auftreten begünstigt. Univ.-Prof. Ursula G. Froster gibt einen Überblick.

Häufigkeit und weltweite Verteilung

Brustkrebs ist die häufigste Krebserkrankung bei Frauen. Etwa 55.000 Frauen erkranken jährlich in Deutschland an Brustkrebs und fast 18.000 Frauen versterben an dieser Erkrankung (1). Die meisten Neuerkrankungen betreffen Frauen, die zwischen 50 und 70 Jahre alt sind. Das mittlere Erkrankungsalter liegt bei 63 Jahren. In der Durchschnittsbevölkerung beträgt das Lebenszeitrisiko für eine Frau an Brustkrebs zu erkranken ca. 9% (2). Während in den USA die Brustkrebsinzidenz ca. 10fach höher ist als in Deutschland, beträgt sie in den asiatischen Ländern ca. die Hälfte des für Deutschland berechneten Risikos. Neben genetischen Faktoren scheinen aber vor allem Umweltfaktoren für diese Unterschiede mit verantwortlich zu sein. Auch zwischen den alten und den neuen Bundesländern wurden unterschiedliche Inzidenzen für Brustkrebserkrankungen aufgezeigt: So erkranken in den westlichen Bundesländern ca. 100-140 von 100.000 Frauen an Brustkrebs, in den östlichen Bundesländern aber nur 80-88 Frauen. Auch die Mortalität liegt in den neuen Bundesländern etwa um 20% niedriger als in den alten Bundesländern (3). Die Ursachen hierfür sind nicht bekannt.

Sporadische und genetisch bedingte Brustkrebserkrankungen

Die überwiegende Mehrzahl der Brustkrebserkrankungen tritt sporadisch auf. Bei ca. 10% aller Brustkrebserkrankungen besteht eine genetische Veränderung, die das Auftreten einer Brustkrebserkrankung begünstigt. In diesen 10% der Fälle sind oft mehrere Familienmitglieder an Brust- oder Eierstockkrebs erkrankt. Häufig treten die Erkrankungen deutlich vor dem 50. Lebensjahr auf (4). Krebs beginnt mit der Veränderung der Erbsubstanz von Genen, die für das Zellwachstum von Bedeutung sind. Beim familiären Brust- und Eierstockkrebs sind es vor allem Mutationen der sog. „Brustkrebsgene“ BRCA1 und BRCA2 (BReast CAncer (Gen) 1 und 2), die in den Keimbahnzellen (Ei- oder Samenzellen) über die Generationen weitergegeben werden. Veränderungen in den BRCA Genen sind in ca. 50-60% der Fälle Ursache einer familiären BrustDiese Gene wurden 1994 bzw. 1995 identiziert (5). Wenn pathogene Mutationen in einem dieser Gene vorliegen, beträgt das Risiko bis zum 80. Lebensjahr an Brustkrebs zu erkranken ca. 85%, das Risiko Eierstockkrebs zu bekommen beträgt bei Vorliegen einer Mutation in den BRCA Genen 30 (BRCA2) bis 60% (BRCA1-Mutation).

Wie erkennt man, ob eine familiäre Brustkrebsform vorliegen kann?

Die wichtigste Basisinformation erhält man aus der präzisen Darstellung der Familienanamense, d.h. der Analyse des Stammbaums durch einen Facharzt für Humangenetik. Charakteristisch für die familiären Formen der Brustkrebserkrankung ist, dass mehrere Familienmitglieder, die direkt miteinander verwandt sind, an Brust oder Eierstockkrebs erkrankt sind, beidseitiger Brustkrebs häufiger auftritt und die Krankheit in jungem Alter auftritt. Die Kriterien, wann eine genetische Testung auf familiären Brust- und Eierstockkrebs erfolgen sollte, wurden durch das Deutsche Konsortium für familiären Brust-und Eierstockkrebs erarbeitet (6):

In der Familie sind:

  • Drei oder mehr Frauen an Brustkrebs erkrankt, die direkt (entweder väterliche oder mütterliche Abstammungslinie) miteinander verwandt sind - unabhängig vom Alter
  • zwei Frauen (oder mehr) aus der gleichen Abstammungslinie an Brustkrebs erkrankt, ein davon vor dem 51. Lebensjahr
  • zwei Frauen aus der gleichen Abstammungslinie an Eierstockkrebs erkrankt
  • eine Frau an Brustkrebs und eine Frau an Eierstockkrebs erkrankt
  • eine Frau an Brust- und Eierstockkrebs erkrankt
  • eine Frau in der Familie vor dem 36. Lebensjahr an Brustkrebs erkrankt
  • eine Frau ist an beidseitigem Brustkrebs erkrankt, die Ersterkrankung lag vor dem 51. Lebensjahr
  • ein Mann an Brustkrebs erkrankt und zusätzlich eine Frau an Brust- und Eierstockkrebs 

Die Motivation der Patientinnen nach einem möglichen familiären Risiko zu fragen, resultiert meist aus der Angst,selbst zu erkranken oder eine Veranlagung an eigene Kinder weiterzugeben, wenn eine nahe Angehörige an Brustkrebs erkrankt oder verstorben ist. Diese Sorge lässt sich durch ein genetisches Beratungsgespräch meist klären. Ergeben sich Hinweise auf eine familiäre Form der Brust- und Eierstockkrebserkrankung, kann eine genetische Testung der BRCA-Gene angeboten werden. Heute weiß man, dass in ca. 5-10% aller Brustkrebsfälle Mutationen in den Genen BRCA1 und BRCA2 Ursache der familiären Häufung sind. Weitere ca. 10- 15% aller Brutkrebsfälle entstehen durch das Zusammenwirken von sog. moderat penetranten Gen-Mutationen in den Genen PALB2 oder CHEK2. Weiter familiäre Fälle werden durch Veränderungen in DNA Reparaturgenen verursacht. In Sachsen haben wir eine deutliche Beteiligung von Mutationen im CHEK2 Gen für den familiären Brustkrebs nachweisen können(7).

Oft sind in Familien aber neben Brustoder Eierstockkrebs auch anderer Organe von Krebs betroen. Die richtige Zuordnung des speziellen familiären Musters an Krebserkrankungen zu den Genen mit der größten Wahrscheinlichkeit ist heute eine der Herausforderungen der genetischen Beratung in der Onkogenetik. Die Entwicklung von genetischen Testverfahren, mit denen gleichzeitig Mutationen in verschiedenen Genen erfasst werden können, sind geeignet die heute noch üblichen längeren Wartezeiten auf das Testergebnis erheblich zu verkürzen. Das Genprol interagierender Gene wird auch bei den erblichen Krebserkrankungen von zunehmender Bedeutung. (UF)

Univ.-Prof. Dr. med. habil. Ursula G. Froster
Literatur bei der Verfasserin

05.01.2020, 17:34 | the
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