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  • von Thomas Heckmann

Dresdner Fachtagung

Aspekte der Autoimmunität bei Infektionen und Tumoren

DNA-Double-Helix. © Foto: Apers0n [Public domain], via Wikimedia Commons. This image was released by the National Human Genome Research Institute, an agency part of the National Institutes of Health, with the ID 85329.
DNA-Double-Helix. © Foto: Apers0n [Public domain], via Wikimedia Commons. This image was released by the National Human Genome Research Institute, an agency part of the National Institutes of Health, with the ID 85329.

Internationale Experten diskutieren in Dresden neue Forschungsergebnisse zur Diagnostik und Therapie von Autoimmunerkrankungen: Das seit 1990 schon Tradition gewordene internationale „Dresden Symposium on Autoantibodies“ bringt Kliniker verschiedener Disziplinen mit Immunologen und Grundlagenforschern zur Diskussion der verschiedenen Aspekte von Autoantikörpern zusammen.

„Die medizinische und volkswirtschaftliche Bedeutung der Autoimmunerkrankungen wird noch immer unterschätzt“, sagt Privat-Dozent Dr. Karsten Conrad vom Institut für Immunologie der Medizinischen Fakultät Carl Gustav Carus und Organisationschef der Fachtagung.

Das diesjährige 11. Symposium erwartet vom 1. bis 4. September 2013 etwa 400 internationale Experten aus dem In- und Ausland in der sächsischen Landeshauptstadt. Es wird sich mit den Rahmenthemen „Infection, Tumors and Autoimmunity“ auf die vielfältigen Aspekte der Autoimmunität bei Infektionen und Tumoren, die Relevanz der Tumor-assoziierten Autoantikörper, neue Autoantikörper von klinischer und / oder pathophysiologischer Bedeutung sowie auf methodische Aspekte der Autoantikörper-Bestimmungen konzentrieren. Ein weiterer Schwerpunkt dieser Veranstaltung widmet sich der Optimierung der Autoantikörper-Analytik als Grundlage für die Etablierung einer prädiktiven, also die Krankheitsentwicklung vorhersagenden Diagnostik.

Autoantikörper sind Eiweiße des Immunsystems, die körpereigene Moleküle erkennen. Sie stellen ein charakteristisches Merkmal von Autoimmunerkrankungen (auto [griech.] = selbst) dar. Zusätzlich sind sie aber beispielsweise auch bei Krebs oder bei Krankheiten, die mit einem chronischen Verlust an Körperzellen verbunden sind, nachweisbar. Sie können dabei entweder an der Entstehung der Erkrankung ursächlich beteiligt sein, den Verlauf beeinflussen oder aber nur als Begleitphänomen ohne Relevanz für das klinische Bild auftreten. Für eine Reihe von Autoimmunerkrankungen ist die Rolle der identifizierten Autoantikörper noch nicht vollständig geklärt.

Die Immunität des Menschen beruht auf komplexen Reaktionen, die für das betreffende Individuum spezifisch sind. Aufgabe des Immunsystems ist es, fremde und somit für den Organismus gefährliche Eindringlinge (z. B. Bakterien, Viren, Pilze und Parasiten) sowie Veränderungen (z. B. Tumorzellen) zu erkennen und zu eliminieren. Jeder Mensch besitzt ein eigenes, für ihn angepasstes Abwehrsystem, das fremde Strukturen erkennt und außerordentlich effektiv bekämpft, andererseits gegenüber dem eigenen Körper tolerant bleibt. Unter bestimmten Umständen, die zurzeit noch nicht in allen Einzelheiten geklärt sind, kann jedoch das Immunsystem körpereigene Strukturen angreifen und eine Autoimmunerkrankung auslösen.

Autoimmunerkrankungen können zu den sogenannten Volkskrankheiten gezählt werden, da ca. 5 Prozent der Bevölkerung mit steigender Tendenz im Verlauf ihres Lebens davon betroffen sind, und sie somit nach den Herz-Kreislauf- und den Krebserkrankungen an dritter Stelle der häufigsten Erkrankungen stehen. Allein in Deutschland leiden mehr als vier Millionen Menschen an einer Autoimmunerkrankung. Neben dem persönlichen Leid der Betroffenen haben die Autoimmunerkrankungen eine erhebliche sozialmedizinische und volkswirtschaftliche Bedeutung, da durch die Behandlung, die Rehabilitation und Frühverrentung der Patienten beträchtliche Kosten entstehen.

Trotzdem wird die medizinische und volkswirtschaftliche Bedeutung dieser Erkrankungsgruppe noch immer unterschätzt. Autoimmunerkrankungen können praktisch alle Organe des menschlichen Körpers befallen, sodass zahlreiche medizinische Fachdisziplinen mit diesem Erkrankungskreis konfrontiert werden. Zu den häufigsten Autoimmunerkrankungen gehören die rheumatoide Arthritis (eine autoimmune Gelenkentzündung aus dem Formenkreis der rheumatischen Erkrankungen), autoimmune Schilddrüsenerkrankungen, die Multiple Sklerose oder der Diabetes mellitus Typ 1.

Eine frühe Diagnose ist ganz entscheidend für die Chance, den Krankheitsverlauf der entsprechenden Autoimmunerkrankung positiv beeinflussen zu können. So kann beispielsweise bei der rheumatoiden Arthritis durch eine frühe und sichere Diagnostik und die Einleitung einer frühzeitigen gezielten Therapie die Gelenkentzündung wirksam verlangsamt und mitunter sogar komplett gestoppt werden. Es besteht berechtigte Hoffnung, dass mit der Verbesserung der Vorhersagemöglichkeiten, neuen Erkenntnissen zu den Mechanismen der Krankheitsentwicklung sowie neuen Interventionsmöglichkeiten der Ausbruch der entsprechenden Autoimmunerkrankung ganz verhindert werden kann.

Das vollständige Programm des Symposiums ist unter www.gfid-ev.de einsehbar.

Konrad Kästner, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden
TU Dresden, Medizinische Fakultät Carl Gustav Carus, Institut für Immunologie, PD Dr. med. Karsten Conrad, Tel.: 0351 / 458 6540, eMail: k_conrad@mail.zih.tu-dresden.de
28.08.2013
19.02.2024, 19:45 | vth
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