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  • Thomas Schönemann

Stammzelltransplantation

Neuartige Zelltherapie zur Behandlung lebensbedrohlicher Virusinfektionen

Modifizierte Abwehrzellen (blau) erkennen und bekämpfen mit Hilfe des neuen Rezeptors (gelb) die CMV-infizierten Bindegewebszellen. © Foto: Universitätsklinikum Erlangen
Modifizierte Abwehrzellen (blau) erkennen und bekämpfen mit Hilfe des neuen Rezeptors (gelb) die CMV-infizierten Bindegewebszellen. © Foto: Universitätsklinikum Erlangen

Die Stammzelltransplantation wird heute vielfach zur Behandlung von Kindern und Erwachsenen mit Hochrisikoleukämien eingesetzt. Eine Infektion mit bestimmten Viren während der Transplantation bedeutet jedoch nach wie vor eine lebensbedrohliche Komplikation. Besonders gefürchtet ist dabei eine Infektion mit dem Cytomegalovirus (CMV).

bwohl betroffenen Patienten in der Regel eine medikamentöse Behandlung hilft, gibt es Fälle, in denen nur eine Verbesserung des Immunsystems Heilung bringen kann. Erlanger Forscher haben deshalb ein Konzept für eine spezifische CMV-gerichtete Immuntherapie für Patienten mit dem höchsten Infektionsrisiko entwickelt.

Die Wissenschaftler der Uniklinik Erlangen haben dazu gentechnisch hergestellte Andockstellen für Virusproteine mittels neuartiger Genfähren oder mittels Transfer von kodierender RNA in hochaktive Abwehrzellen eingebaut. Dadurch werden diese Abwehrzellen in die Lage versetzt, infizierte Körperzellen zu erkennen. Das Team um die Professoren Wolfgang Holter und Armin Ensser entdeckten im Zuge des Projektes, dass – obwohl die Viren über vielerlei Mechanismen verfügen, sich immer wieder der Abwehr durch Immunzellen zu entziehen – auf diese Weise modifizierte Abwehrzellen fähig sind, die Virusvermehrung im Reagenzglas mit hoher Effizienz zu unterdrücken.

„Dank der Unterstützung des Projektes durch die Wilhelm Sander-Stiftung konnten wir die Etablierung dieser innovativen Zelltherapie weiter vorantreiben, neue Erkenntnisse publizieren und die für die Anwendung am Patienten so wichtige tierexperimentelle Testung vorbereiten“, resümiert Professor Wolfgang Holter. So könne in Zukunft die Bekämpfung viraler Komplikationen nach einer Transplantation grundlegend verbessert und damit die Erfolgsaussichten in der Behandlung von Leukämiepatienten erhöht werden.

Die Wilhelm Sander-Stiftung förderte dieses Forschungsprojekt mit rund 237.000 Euro. Stiftungszweck ist die Förderung der medizinischen Forschung, insbesondere von Projekten im Rahmen der Krebsbekämpfung. Seit Gründung der Stiftung wurden insgesamt über 190 Millionen Euro für die Forschungsförderung in Deutschland und der Schweiz bewilligt. Die Stiftung geht aus dem Nachlass des gleichnamigen Unternehmers hervor, der 1973 verstorben ist.

Bernhard Knappe, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Wilhelm Sander-Stiftung
Prof. Dr. med. Wolfgang Holter (Projektleiter), St. Anna Kinderspital Wien, Tel.: +43 140 470 1250, eMail: wolfgang.holter@stanna.at
24.04.2014
22.06.2017, 11:21 | tsc
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