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MedUni Wien

Neuer prognostischer Marker für PatientInnen mit Lebermetastasen bei Darmkrebs entdeckt

Anna Spiegel Forschungsgebäude. MedUni Wien. © MedUni Wien, Ernst Hammerschmid
Anna Spiegel Forschungsgebäude. MedUni Wien. © MedUni Wien, Ernst Hammerschmid

Eine multidisziplinäre Studie an der MedUni Wien zeigt, dass die immunologische Prägung am Rand der Metastase des Darmkrebs in der Leber als prognostischer Marker für das klinische Ergebnis verwendet werden kann. Das könnte dazu beitragen, dass künftig auf eine verbesserte Prognose des Krankheitsverlaufs und eine mögliche Anpassung der Therapie an die patientenspezifische immunologische Prägung, möglich werden.

Aus einer Zusammenarbeit des Teams aus GrundlagenforscherInnen unter der Leitung von Diana Mechtcheriakova mit Chirurgen, PathologInnen und StatistikerInnen entstand die vor kurzem im Top-Journal PLOS ONE erschienene Publikation „B cells and ectopic follicular structures: novel players in anti-tumor programming with prognostic power for patients with metastatic colorectal cancer“ von Anastasia Meshcheryakova und Dietmar Tamandl D. et al.

Das kolorektale Karzinom mit Lebermetastasen (CRCLM) stellt, trotz jüngster Verbesserungen im Bereich der systemischen Behandlung, nach wie vor eine therapeutische Herausforderung dar. Mechtcheriakova: „Noch immer sind die Erkenntnisse bezüglich der biologischen Mechanismen, die die Krankheitsentwicklung beeinflussen könnten, begrenzt. Hervorzuheben ist dabei, dass keines der derzeit bekannten klinisch-pathologischen Parameter als Marker mit starkem prognostischem Potenzial verwendet werden kann. Die Identifizierung neuer Biomarker könnte zur Verbesserung im Bereich der patientenorientierten medizinischer Versorgung beitragen.“

Die WissenschafterInnen stellten sich daher die Frage, ob die patientenspezifische immunologische Prägung im Bereich der Metastase einen prognostischen Effekt haben und somit zur Risiko-Einschätzung von CRCLM-PatientInnen herangezogen werden könnte. Dazu wurde eine innovative, automatisierte, Mikroskopie-basierte Technologie eingesetzt, um die computergesteuerte Quantifizierung von Immunzellenpopulationen durchzuführen. Dabei konnten zuvor einzelne Regionen innerhalb des komplexen Gewebes definiert werden, in welchen dann die einzelnen mit dem jeweiligen zelltypspezifischen Marker gefärbten Immunzellen direkt im Gewebeverband erkannt wurden. Um einen möglichen Zusammenhang mit der Überlebensprognose aufzudecken wurde das Ausmaß der positiven Zelle als Variable für die darauffolgende statistische Analyse herangezogen.

Patientenspezifische, immunologische Prägung am Metastasenrand

Die aktuelle Arbeit zeigt zum ersten Mal die Ansammlung von B-Lymphozyten am Metastasenrand sowie, dass Keimzentrum-ähnliche Follikel bei CRCLM-PatientInnen am Metastasenrand in Erscheinung treten. Diese Beobachtung weist darauf hin, dass entscheidende Prozesse der B-Zell-Antwort auf potenzielle Tumorantigene, wie die Affinitätsreifung und Klassenwechsel der gebildeten Antikörper, unter der lokalen Aktivität von AID direkt an der Leber-Metastasen Schnittstelle stattfinden.

Ein weiteres wichtiges Erkenntnis der Studie zeigt, dass CRCLM-PatientInnen, welche eine hohe Zahl an B-Lymphozyten und/oder ektopische Follikel ausweisen, ein niedriges Rückfallrisiko haben, wo hingegen bei PatientInnen mit geringer Zahl oder dem kompletten Fehlen von B-Lymphozyten und/oder ektopischen Follikel ein hohes Rückfallrisiko vorliegt. Somit identifiziert die Studie B-Lymphozyten und/oder ektopische Follikel als neue Biomarker in Bezug auf das Rückfallrisiko. „Entscheidend dabei ist, dass diese neuen Biomarker bezüglich ihres prognostischen Potenzials allen soweit bekannten klinischen Parametern überlegen sind“, so die ForscherInnen.

Anti-Tumor-Wirkung der B-Lymphozyten-gesteuerten Mechanismen

Zusätzlich zur Aufdeckung der patientenspezifischen, immunologischen Prägung am Metastasenrand als neuer prognostischer Biomarker, deuten die Ergebnisse auf eine Anti-Tumor-Wirkung der dort stattfindenden B-Lymphozyten-gesteuerten Mechanismen hin und zeigen somit neue Wege zur Entwicklung neuartiger Behandlungsstrategien für CRCLM-PatientInnen auf. Der in der Studie präsentierte Algorithmus zur Patientenstratifizierung soll somit neue Anhaltspunkte zur Etablierung weiterer, patientenorientierter Selektionskriterien für Anschlussheilbehandlungen liefern und eine verbesserte Stratifizierung der PatientInnen im Rahmen von klinischen Studien zur Entwicklung neuer Behandlungsstrategien ermöglichen.

Die Studie wurde gefördert von Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (FWF; http://www.fwf.ac.at/; Projekte P22441-B13 und P23228-B19).

Service: PLOS ONE
B Cells and Ectopic Follicular Structures: Novel Players in Anti-Tumor Programming with Prognostic Power for Patients with Metastatic Colorectal Cancer. Meshcheryakova A.*, Tamandl D.*, Bajna E., Stift J., Mittlboeck M., Svoboda M., Heiden D., Stremitzer S., Jensen-Jarolim E., Grünberger T., Bergmann M., Mechtcheriakova D. PLoS One. 2014 Jun 6;9(6):e99008. doi:10.1371/journal.pone.0099008. PMID: 24905750. 

Link: http://www.plosone.org/article/info%3Adoi%2F10.1371%2Fjournal.pone.0099008

Link zur Molecular Systems Biology & Pathophysiology Forschungsgruppe von Diana Mechtcheriakova:

http://www.meduniwien.ac.at/hp/ipa/forschung/forschungsgruppen/molecular-systems-biology-and-pathophysiology-agl-diana-mechtcheriakova/

Presseinformation Medizinische Universität Wien
Mag. Johannes Angerer, MedUni Wien, Leiter Corporate Communications, Tel.: 01/ 40 160 11 501, eMail: corporatecommunications@meduniwien.ac.at
16.06.2014
22.06.2017, 11:21 | tsc
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