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  • Thomas Schönemann

Prostatakrebs

Wissenschaftler haben endlich herausgefunden, welcher Prostatakrebs lebensbedrohlich ist

Ich sehe Dich. © Foto: Templermeister / pixelio.de
Ich sehe Dich. © Foto: Templermeister / pixelio.de

Forscher von Cancer Research UK haben herausgefunden, dass die Anwesenheit eines spezifischen Proteins den Unterschied macht zwischen aggressiven Prostatakrebs-Tumoren, die eine weitere Behandlung benötigen, und denen, die wohl nie den Patienten ernsthaft schädigen werden.

Die Studie, publiziert im wöchentlich erscheinenden Journal Oncogene, fand sehr viel höhere Level des Proteins NAALADL2 in Prostatakrebs-Gewebe als in gesundem Gewebe. Der Unterschied war besonders ausgeprägt bei aggressiven Prostatakrebs-Tumoren und Krebszellen, die bereits in den Körper hinein gestreut hatten.

Das Team bestätigte in 2 unabhängigen Patientengruppen, dass das Protein dafür genutzt werden kann, um Prostatakrebs zu diagnostizieren. Aber, noch weitaus wichtiger, es fand auch heraus, dass hohe Level des Proteins möglicherweise jene Patienten bestimmen könnten, die einen aggressive Erkrankung haben und deshalb eine Operation, Chemotherapie und Strahlentherapie benötigen. Patienten mit niedrigeren Leveln benötigen wahrscheinlich eher Monitoring als eine Behandlung.

Nach Jahren, in denen man versucht hat, das Geheimnis zu lüften, welcher Prostatakrebs lebensbedrohlich ist, manchmal auch als „Tiger“ bezeichnet, und welche im wesentlichen ungefährliche „Pussycats“ sind, könnte diese neue Entdeckung die Art und Weise revolutionieren, wie Ärzte die Erkrankung behandeln.

Das Protein NAALADL2 bringt Prostatakrebs-Zellen dazu, sich aggressiver zu verhalten, sich mit einer höheren Wahrscheinlichkeit zu bewegen und in gesundes Gewebe um den Tumor herum einzudringen.

Der Hauptverfasser der Studie, Dr Hayley Whitaker, Cancer Research UK Wissenschaftler an der University of Cambridge, sagte: “Diese Forschung befindet sich in einem frühen Stadium, aber wenn klinische Studien unsere Resultate bestätigen, dann könnten unsere Ergebnisse Ärzten helfen zu entscheiden, welche Patienten eine aggressiveren Tumor haben und deshalb eine proportional aggressivere Therapie benötigen, während sie Patienten mit einem niedrigeren Tumorgrad eine unnötige Strahlentherapie oder Operation ersparen.“

„Dies ist ein wichtiger Schritt auf dem Pfad zur Entwicklung eines gesuchten Tests, der zwischen verschiedenen Arten von Prostatakrebs unterscheiden kann“

Bei ungefähr 41.000 Männer wird jedes Jahr in UK die Diagnose Prostatakrebs gestellt und etwa 10.700 Männer sterben in jedem Jahr an dieser Erkrankung.

Es gibt eine Reihe diagnostischer Tests für diese Erkrankung. Der bekannteste ist der Prostate Specific Antigen Test (PSA), der eine Vielzahl von Prostatatumoren aufspürt. Er kann jedoch nicht zwischen lebensbedrohlichen und relativ harmlosen Formen der Erkrankung unterscheiden, so dass er vor diesem Hintergrund nicht verlässlich genug ist, um in einem nationalen Screening-Programm, eingesetzt zu werden.

Professor Malcolm Mason, Cancer Research UK’s Prostatakrebs-Experte von der University of Cardiff, sagte: “Als Prostatakrebs-Kliniker warte ich seit Jahren auf einen Test, welcher die aggressive Erkrankung bestimmen kann. Ich hoffe, diese Forschung bringt uns dem Tag näher, an dem ich zu meinen Patienten sagen kann: Wir wissen, dass ihr Krebs keine Behandlung benötigt. Eine entscheidende Entwicklung, die Tausenden Patienten das Aushalten einer anstrengenden Therapie mit unerfreulichen Nebenwirkungen ersparen könnte.“

„Diese überaus interessante Studie liefert eine wichtige Entwicklung für das Prostatakrebs-Screening, und offenbart potentiell auch ein neues Ziel für die Entwicklung neuer Prostatakrebs-Medikamente in der Zukunft.“

Referenz
* N-acetyl-L-aspartyl-L-glutamate peptidase-like 2 is over expressed in cancer and promotes a pro-migratory and pro-metastatic phenotype. Neal et al. Oncogene.

Pressemitteilung Cancer Research UK
N-acetyl-L-aspartyl-L-glutamate peptidase-like 2 is over expressed in cancer and promotes a pro-migratory and pro-metastatic phenotype. Neal et al. Oncogene.
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18.11.2013
22.06.2017, 11:21 | tsc
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