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  • Thomas Schönemann

Hypnotherapie

Weg vom blauen Dunst mit Hypnose

Das Laster Rauchen. © Foto: Uta Herbert / pixelio.de
Das Laster Rauchen. © Foto: Uta Herbert / pixelio.de

Hypnose wird unter Rauchern, die dem blauen Dunst adé sagen wollen, bereits als Therapieoption wahrgenommen und genutzt. Allerdings ist die Datenlage zu dieser suggestiven Methode bislang eher als nicht beweiskräftig zu beurteilen. Wissenschaftler verglichen nun die suggestiven Einflüsse der Hypnose auf die Verhaltensmechanismen und Motivation von Rauchern mit Nikotinersatztherapie, in deren Rahmen ein nikotinhaltiges Präparat eingenommen werden musste.

Nach dem Zufallsprinzip wurde ein Teil der 164 Patienten, die wegen einer raucherassoziierten Erkrankung ins Krankenhaus eingewiesenen worden waren, drei Behandlungsgruppen zugewiesen. Die Patienten der ersten Gruppe erhielten 30 Tage lang nur die Nikotinersatztherapie, die der zweiten Gruppe nur eine 90minütige Hypnotherapie-Sitzung, die der dritten Gruppe erhielten beide Therapien. Der Rest der Patienten, die eine Randomisation ablehnten, wurde einer vierten Gruppe ohne Intervention zugeteilt. Allen Teilnehmern in den Interventionsgruppen wurden Informationen zur Selbsthilfe für zu Hause mitgegeben (wie z.B. eine Anleitung zur Selbsthypnose in den relevanten Gruppen) sowie telefonische Beratungsmöglichkeiten angeboten. Die Patienten, die ohne jegliche therapeutische Hilfe mit dem Rauchen aufhören wollten, erhielten nur die Standardinformationen.

Nach 12 bzw. 26 Wochen nach dem Krankenhausaufenthalt wurde der Abstinenzstatus, der mindestens 7 Tage am Stück betragen musste, überprüft. Nach 12 Wochen waren es in der Hypnose-Gruppe knapp 44 Prozent Patienten, die dem Rauch entsagt hatten, während in der Nikotinersatztherapie-Gruppe nur 28 Prozent der Patienten mit dem Rauchen aufgehört hatten. Ähnlich verhielt es sich in der Gruppe, die eine Kombination aus Nikotinersatztherapie und Hypnose erhalten hatte. Die Messung der Cotinin-Werte (Cotinin ist ein Abbauprodukt von Nikotin) erbrachte nach 26 Wochen für die Hypnose-Gruppe sowie für die Kombinationsgruppe im Vergleich mit alleiniger Nikotinersatztherapie sogar eine dreimal so hohe Erfolgsrate. Insgesamt hörten mehr Patienten mit einer Herzerkrankung mit dem Rauchen auf als Patienten mit einer Lungenerkrankung.

Einschätzung der Carstens-Stiftung:
Die Wissenschaftler können zwar nicht viel über den Wirkmechanismus der Hypnotherapie in diesem Kontext sagen, vermuten aber, dass sie dazu beitragen kann, das Selbstvertrauen und die Motivation in der Rauchentwöhnungsphase zu stärken. Allerdings ist das Ergebnis nicht auf "gesunde" Raucher übertragbar, da die Teilnehmer in der vorliegenden Studie krankheitsbedingt eine stärkere Motivation entwickelt haben mögen, dem Rauchen zu entsagen.

Zudem könnte der Motivationseffekt durch die Hypnotherapie mit begleitender Beratung ein kurzlebiger Effekt sein. Langzeitstudien unter Einbeziehung einer repräsentativeren Patientenpopulation und einer adäquateren Kontrolle stehen also noch aus, bevor man eine endgültige Empfehlung der Hypnotherapie als Rauchentwöhnungsmethode aussprechen kann.

Literatur: 
Hasan FM, Zagarins SE, Pischke KM, Saiyed S, Bettencourt AM, Beal L, Macys D, Aurora S, McCleary N. Hypnotherapy is more effective than nicotine replacement therapy for smoking cessation. Results of a randomized controlled. Complement Ther Med 2014; Epub ahead of print > Abstract

Nachrichtenagentur Carstens-Stiftung
Hasan FM et al. (2014): Hypnotherapy is more effective than nicotine replacement therapy for smoking cessation. Results of a randomized controlled trial
Daniela Hacke, M.A., Fachbereich Informationsbeschaffung und Wissensmanagement, Tel.: 0201 / 56305 18, eMail: d.hacke@carstens-stiftung.de
06.02.2014
22.06.2017, 11:21 | tsc
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