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Vortrag an der Humboldt-Universität zu Berlin

Das Schweigen brechen. Vom ehrlichen Umgang mit schwer kranken Kindern

Vater und Sohn. © Foto: Stephanie Hofschlaeger / pixelio.de
Vater und Sohn. © Foto: Stephanie Hofschlaeger / pixelio.de

Was tun, wenn Kinder schwer krank werden? Was bedeutet es für die Familienangehörigen? Was bedeutet es für das Kind selbst? Und wie soll man sich in diesem Fall ethisch und therapeutisch richtig verhalten? Diesen und vielen anderen Fragen geht Prof. Dr. med. Dr. h. c. Dietrich Niethammer in seinem Vortrag nach.

Das Hermann von Helmholtz-Zentrum für Kulturtechnik (HZK) lädt gemeinsam mit der Stiftung Mercator zur Helmholtz-Vorlesung mit Prof. Dr. med. Dr. h. c. Dietrich Niethammer ein. Prof. Dr. Karl Max Einhäupl, Vorstandsvorsitzender der Charité wird in die Veranstaltung einführen.

Für den Umgang mit schwer kranken Kindern gibt es keinen allgemeinverbindlichen Leitfaden. Oft wird angenommen, dass schwer kranke Kinder nicht über das Sterben nachdenken und vor dem Wissen über ihre Krankheit oder ihren bevorstehenden Tod geschützt werden müssen. Als Reaktion auf diese Schutzversuche von Ärzten und Familie ziehen sich kranke Kinder oft in sich zurück und der Kontakt zu ihnen bricht ab. Häufig reden diese Kinder mit niemandem mehr und sterben in großer Einsamkeit.

Dietrich Niethammer, einer der renommiertesten Kinder- und Jugendmediziner in Deutschland, plädiert dafür, das Schweigen zu brechen und mit schwer kranken Kindern ehrlich umzugehen, indem man ihnen die Wahrheit über ihren Zustand nicht verheimlicht. „Mitte der 70er Jahre des letzten Jahrhunderts lernte ich von Kindern mit lebensbedrohlichen Erkrankungen, dass sie in der Tat sehr viel über ihre Krankheit und die Möglichkeit des Sterbens und was das alles für sie bedeutete, nachdachten und viel mehr wussten, als wir ahnten. Und ich ging dazu über, ganz offen mit ihnen zu reden und sie nicht mehr zu belügen, wie es man mir beigebracht hat. Es entwickelten sich dadurch häufig intensive Dialoge, die erst mit dem Tod unserer Patienten oder dem Ende der Therapie ihr Ende fanden“. In der Folge starb keines der von Niethammer behandelten Kinder mehr sprachlos und einsam.

Über Dietrich Niethammer
Geboren 1939 in Leipzig, studierte er Medizin an den Universitäten Tübingen, Wien und München. Von 1969 bis 1971 folgte ein Forschungsaufenthalt am Department of Biochemistry in La Jolla, Kalifornien. 1972 - 1975 erhielt er die Facharztausbildung bei Prof. Dr. Kleihauer in Ulm, wo er am Aufbau der Kinderonkologie und einer Station für angeborene Immundefekte beteiligt war. 1975 führte er eine der beiden ersten allogenen Knochenmarktransplantationen in Deutschland bei einem Kind mit Aplastischer Anämie durch. 1977 habilitierte sich Niethammer für das Fach Kinderheilkunde. Von 1989 bis zu seiner Emeritierung 2005 war er Geschäftsführender Direktor der Universitäts-Kinderklinik Tübingen. 2005 wurde er für seine Verdienste in der Hochschulpolitik und als herausragender Wissenschaftler auf dem Gebiet der pädiatrischen Hämatologie und Onkologie mit dem Bundesverdienstkreuz 1. Klasse ausgezeichnet.

Veranstaltungsdetails:

Termin:
13.02.2014 18:30 - 21:00

Veranstaltungsort:
Humboldt-Universität zu Berlin,
Audimax
Unter den Linden 6, 10117 Berlin
10117 Berlin

Gefördert von der Stiftung Mercator.

Hans-Christoph Keller, Stabsstelle Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Humboldt-Universität zu Berlin
Olga Shmakova, Humboldt-Universität zu Berlin, Hermann von Helmholtz-Zentrum für Kulturtechnik, Tel.: 030 / 20932715, eMail: olga.shmakova@cms.hu-berlin.de
04.02.2014
22.06.2017, 11:21 | tsc
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