• Kongresse [+]
  • Thomas Schönemann

Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin

Wir brauchen die Bedarfsplanung in der Schmerzmedizin

Wir brauchen die Bedarfsplanung in der Schmerzmedizin. © Foto: Beßler/Havlena / pixelio.de
Wir brauchen die Bedarfsplanung in der Schmerzmedizin. © Foto: Beßler/Havlena / pixelio.de

Eine "effektive Schmerzmedizin ist kein Luxusartikel, sondern eine zwingende Notwendigkeit in einer modernen Industriegesellschaft, und zwar sowohl unter ethischen als auch unter juristischen und ökonomischen Gesichtspunkten", sagte Dr. Gerhard H. H. Müller-Schwefe, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin zum Auftakt des Schmerz- und Palliativtages. Doch die Situation in Deutschland sieht anders aus.

Aktuelle epidemiologische Untersuchungen gehen von 23 Millionen Schmerzpatienten aus, von denen wiederum 2,2 Millionen unter schwersten chronischen Schmerzen mit psychischen Beeinträchtigungen, der sogenannten Schmerzkrankheit, leiden. Dieser hohen Patientenzahl stehen lediglich 1.066 ambulant tätige Vertragsärzte gegenüber, die an der Schmerztherapie-Vereinbarung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) teilnehmen und von denen nur 381 ausschließlich Schmerzpatienten betreuen. "Damit kann eine effektive Schmerzmedizin nicht sichergestellt werden. Wir fordern daher dringend die Bedarfsplanung für Schmerzmedizin in Deutschland", so Müller-Schwefe. Diese erfordert die Facharztbezeichnung "Schmerzmedizin", denn die Bedarfsplanung der Kassenärztlichen Vereinigungen orientiert sich jeweils an den Facharztgruppen.

Müller-Schwefe rechnete vor, dass eine adäquate Versorgung von Schmerzpatienten nicht nur ethisch und juristisch geboten, sondern auch ökonomisch ist. So habe beispielsweise das integrierte Versorgungskonzept Rückenschmerzen der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin mit der Techniker Krankenkasse (TK) gezeigt, dass eine Frühintervention zu einer signifikant geringeren Frühberentung und einer geringeren Anzahl an Arbeitsunfähigkeitstagen führt. "Damit kann die gesamte Versorgung aus der Einsparung von Arbeitsunfähigkeitstagen finanziert werden, bei gleichzeitig besserer Lebensqualität der Patienten", schlussfolgerte Müller-Schwefe.

DGS Praxisregister Schmerz

Um weitere Optimierungsansätze auf der Basis realistischer Daten zu entwickeln, hat die DGS im vergangenen Jahr mit dem DGS Praxisregister Schmerz ein bundesweites Versorgungsforschungsprojekt initiiert. Aktuell beteiligen sich 30 Zentren an dem Projekt, 2.784 Patienten sind bereits inkludiert - mit kontinuierlich steigender Patientenzahl. Für Ende 2015 erwartet die DGS ein Datenbankvolumen von rund 14.000. "In naher Zukunft wird damit das größte Schmerzregister vorliegen, das als Basis für Optimierungen bezogen auf Strukturen und Methoden der Schmerzmedizin in Deutschland dienen kann", erklärte PD Dr. Michael Überall, Vizepräsident der DGS und Präsident der Patientenorganisation Deutsche Schmerzliga e.V. Schon heute profitieren die beteiligten Ärzte und Patienten, da sich aufgrund einer vereinfachten Dokumentation von Behandlungs-Verläufen der Aufwand des Arztes reduziert, und er gleichzeitig eine Analyse der Patientenangaben mit Hinweisen auf versteckt vorliegende Befunde oder mögliche Entwicklungen erhält.

Praxisnah und aktuell - der Deutsche Schmerz- und Palliativtag

Der jährlich stattfindende Deutsche Schmerz- und Palliativtag ist mit durchschnittlich 2.500 Teilnehmern der größte deutsche Schmerzkongress. Er zeichnet sich durch die Vermittlung besonders praxisnaher und alltagstauglicher schmerzmedizinischer Inhalte aus - am Patienten orientiert und direkt aus der Forschung in der täglichen Arbeit anwendbar. Der Kongress dauert noch bis zum 07. März. Mitveranstalter sind die Patientenorganisation Deutsche Schmerzliga e.V., die Deutsche Gesellschaft für Interdisziplinäre Palliativversorgung und das Institut für Qualitätssicherung in Schmerztherapie und Palliativmedizin.

Weitere aktuelle Themen des Kongresses:

  • Ärztlich assistierter Suizid: Die DGS vertritt die Meinung, dass die effektive Umsetzung schmerzmedizinischer und palliativmedizinischer Optionen den assistierten Suizid überflüssig macht. Eine Diskussionsrunde am Freitag, den 6. März, unter anderem mit Dr. Nikolaus Schneider, dem ehemaligen Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), widmet sich den unterschiedlichen Aspekten dieses Themas.
  • Neue Therapien: Im Rahmen des Deutschen Schmerz- und Palliativtages werden u.a. der Einsatz von Biologicals in der Schmerzmedizin, die Behandlung chronischer Migräne mit Botulinumtoxin sowie die Neuromodulation zur Behandlung von Cluster-Kopfschmerzen und neuropathischen Schmerzen diskutiert.
  • Schmerztherapie unter Extrembedingungen: Dr. Michael Petermeyer, Schmerzmediziner und ärztlicher Einsatzleiter während der Höhlenrettung im Riesending, berichtet in einer Special Lecture am Donnerstag, den 5. März, über Szenarien zur Versorgung von Schwerstverletzten bei Umwelt- oder Verkehrskatastrophen und stellt Ansätze zur Schmerztherapie in entlegenen Gebieten vor.
  • Schnittstellen Schmerzmedizin / Suchtmedizin: In verschiedenen Symposien werden Fragestellungen wie "Machen Opioide süchtig?", "Werden Schmerzpatienten unter der Therapie mit Opioiden süchtig?" oder "Wie können Suchtpatienten schmerzmedizinisch behandelt werden?" thematisiert.

Weitere Informationen unter: www.schmerz-und-palliativtag.de

Pressemitteilung Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin e.V.
Geschäftsstelle Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin e.V., Adenauerallee 18, 61440 Oberursel, Tel.: 06171 / 2860-0, Fax: 06171 / 2860-69, eMail: info@dgschmerzmedizin.de
04.03.2015
22.06.2017, 11:21 | tsc
Zurück