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ECCO Clinical Research Award

Dresdner Krebs-Spezialist wird für herausragende klinische Forschung ausgezeichnet

ECCO-Preisträger Prof. Michael Baumann. © Foto: Uniklinikum Dresden / André Wirsig
ECCO-Preisträger Prof. Michael Baumann. © Foto: Uniklinikum Dresden / André Wirsig

Prof. Michael Baumann, Direktor der Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus und des gemeinsam mit dem Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) getragenen Nationalen Zentrums für Strahlenforschung in der Onkologie – OncoRay, erhält heute den ECCO Clinical Research Award der Europäischen Krebsgesellschaft ECCO (European CanCer Organisation).

Prof. Michael Baumann, Direktor der Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus und des gemeinsam mit dem Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) getragenen Nationalen Zentrums für Strahlenforschung in der Onkologie – OncoRay, erhält heutigen Montag (30. September 2013) den ECCO Clinical Research Award der Europäischen Krebsgesellschaft ECCO (European CanCer Organisation). Damit wird sein europaweit herausragender Beitrag zur Integration wissenschaftlicher Erkenntnisse der Krebsforschung in die klinische Praxis gewürdigt. Überreicht wird der Preis während des Europäischen Krebs-Kongresses (27. September bis 1. Oktober) in Amsterdam.

Seit über 20 Jahren hat Prof. Michael Baumann kontinuierlich daran gearbeitet, biologische Erkenntnisse mit den technischen Entwicklungen in der Strahlentherapie zusammenzubringen. „Grundlegend für meine wissenschaftliche Arbeit war dabei immer der translationale Gedanke“, unterstreicht der Direktor des Nationalen Zentrums für Strahlenforschung in der Onkologie – OncoRay. „Also die Vorstellung, Erkenntnisse, die Potential für die Krebsbehandlung versprechen, vom Labor über systematische klinische Studien in die klinische Anwendung am Patienten zu bringen.“ Um das zu erreichen, hat sich Prof. Baumann unter anderem mit der optimalen Anordnung der Strahlentherapie-Fraktionen, der Kombination von Bio-Bildgebung mit der Strahlentherapie und mit Biomarkern, welche die Strahlenempfindlichkeit von Tumoren voraussagen, beschäftigt.

So gibt es beispielsweise Kopf-Hals-Tumoren, die in ihrem Gewebe und Umfeld für einen absoluten Sauerstoffmangel (Hypoxie) sorgen. Diese Tumoren können in dieser lebensfeindlichen Umgebung bestehen und sind extrem resistent gegenüber einer Strahlentherapie. Acht von zehn Patienten haben bisher keine Überlebenschance, wenn bei ihnen im Kopf-Hals-Bereich ein solcher Tumor vorliegt. Hier ist Prof. Baumann mit seinen Forschern auf der Suche nach verlässlichen örtlichen Markern, die auf Hypoxie hinweisen. Es sollen Medikamente entwickelt werden, die diese Art von Tumoren für die Strahlen angreifbar machen, die Strahlendosis soll gezielt in den Tumoren hochdosiert variiert werden. Dazu muss die Heterogenität des Tumors zuverlässig dargestellt werden – die Verbesserung dieses Bio-Imagings, der bildgebenden Verfahren, ist ein weiteres Forschungsfeld der Dresdner Wissenschaftler.

Zur Verbesserung der Präzision der Strahlentherapie dient auch der Aufbau der Protonentherapie und die Weiterentwicklung der Compton-Kamera – mit ihr werden Position und Dosis des Protonenstrahls während der Therapie „ablesbar“. Die Behandlung kann so überwacht und individuell angepasst werden. „Einen Prototyp dieser Kamera werden Physiker des OncoRay und HZDR innerhalb der kommenden fünf Jahre hier in Dresden entwickeln, damit wir ihn dann in klinischen Studien einsetzen können“, prognostiziert Prof. Baumann, der den Ausbau der Dresdner Krebsforschung wesentlich mitgestaltet hat. „Die Möglichkeiten der Krebsforschung in Dresden sind auch im internationalen Maßstab einmalig, eine Tätigkeit in Dresden ist für Krebsforscher und -ärzte sicher eine absolut richtige Entscheidung.“ Und die Einschätzung der Dresdner Entwicklung als erfolgreich wird auch international geteilt – der an Prof. Baumann verliehene ECCO-Award ist dafür ein weiterer Beleg.

Um dieses Pensum als Klinikdirektor, als Direktor von OncoRay sowie des Instituts für Radioonkologie am HZDR, als Präsident der Deutschen Gesellschaft für Radioonkologie e. V. und nicht zuletzt als Forscher zu meistern, sind lange Arbeitstage und nur wenige freie Wochenenden die Regel. „Das funktioniert nur, wenn man absolute Freude an seiner Tätigkeit hat“, unterstreicht Prof. Baumann.

Hintergrund: Die ECCO ist ein multidisziplinärer Dachverband für alle europäischen onkologischen Fachgesellschaften, Krebsforscher und Patientenvereinigungen. Über 100.000 Krebsärzte und -forscher sind in der ECCO vereinigt. Das Zusammenspiel der verschiedenen Fachrichtungen spiegelt die Behandlung von Patienten in Krebs-Zentren wider. Die ECCO hat das Ziel, die onkologische Versorgung und Forschung in Europa voranzutreiben. Dazu dient auch der alle zwei Jahre organisierte multidisziplinäre europäische Krebskongress, bei dem alle mit dem Thema Krebs befassten Fachrichtungen ihre aktuellen herausragenden Erkenntnisse vorstellen.

Der ECCO Clinical Research Award wird ebenfalls alle zwei Jahre vergeben. Der Preisträger wird von einem internationalen Preiskomitee aus den hochkarätigen Vorschlägen aller Mitgliedsorganisationen ausgewählt und geht über das Fachgebiet der Strahlentherapie hinaus. Der Award ist ein Preis für das Lebenswerk eines in Europa wirkenden Wissenschaftlers und setzt die kontinuierliche, erfolgreiche Arbeit im Bereich der onkologischen Forschung voraus, die auch zu einer verbesserten Versorgung der Krebspatienten führte.

Konrad Kästner Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden
Technische Universität Dresden Medizinische Fakultät Carl Gustav Carus National Center for Radiation Research in Oncology – OncoRay Prof. Michael Baumann Tel. 0351 458 5292
30.09.2013
22.06.2017, 11:21 | dre
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