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Klinikum Darmstadt

Dem Krebs besser auf der Spur

Prof. Dr. Peter Huppert (dritter von links) und sein Team vom Institut für Diagnostische und Interventionelle Radiologie am Klinikum Darmstadt. © Foto: Klinikum Darmstadt
Prof. Dr. Peter Huppert (dritter von links) und sein Team vom Institut für Diagnostische und Interventionelle Radiologie am Klinikum Darmstadt. © Foto: Klinikum Darmstadt

Die ersten Patienten sind bereits im PET/CT im Klinikum Darmstadt untersucht worden: auch Monika Schmidt (Name von der Redaktion geändert) mit der Diagnose Mammakarzinom. Sie wollte vor einer lokalen Behandlung von Tumorherden in der Leber die genaue Ausbreitung ihrer Tumorerkrankung in ihrem gesamten Körper erfahren. Dies gelang Ende Mai unter Leitung von Oberärztin Dr. Christina Laumann, Fachärztin für Nuklearmedizin und Radiologie.

Bei der durchgeführten PET/CT-Untersuchung konnten alle aktiven Tumorherde exakt lokalisiert werden. „Mit dieser neuen diagnostischen Hybrid-Technik haben wir jetzt noch bessere Möglichkeiten als bisher, die exakte Ausbreitung einer Tumorerkrankung im Körper festzustellen und das Ansprechen auf Tumortherapien frühzeitiger und genauer zu erkennen als dies mit herkömmlichen CT- und MRT Untersuchungen möglich ist“, erklärt Prof. Dr. Peter Huppert.

Anfang Mai wurde das etwa 900.000 Euro teure Gerät im Institut für Diagnostische und Interventionelle Radiologie aufgebaut und eingerichtet. Nach einer etwa vierwöchigen Einarbeitung mit Einrichtung genauer Untersuchungsprotokolle hat im Juni der Routinebetrieb begonnen. „Die Anschaffung des PET/CT fürs Klinikum Darmstadt ist eine der größeren Investitionen des Hauses in moderne medizinische Technologie und wird die Qualität und Sicherheit der Behandlungen deutlich verbessern; dies trifft insbesondere für Patienten mit Tumorerkrankungen zu“, so Prof. Dr. Huppert.

Was passiert bei einer PET/CT?

PET- und CT-Untersuchung werden unmittelbar nacheinander im gleichen Gerät durchgeführt. Die reine Untersuchungszeit im Gerät beträgt 20 bis 40 Minuten. Der gesamte Zeitbedarf einschließlich der Vorbereitungen liegt bei zwei bis drei Stunden. Während der Untersuchung liegen die Patientinnen und Patienten auf einer Liege, die sich in die ringförmige Öffnung des PET/CT-Gerätes hineinbewegt. Die Öffnung ist relativ weit und der doppelte Ring aus PET-Scanner und CT-Scanner ist noch kurz genug, sodass sie sich nicht eingeengt fühlen müssen und ständig Kontakt zu dem betreuenden medizinischen Personal halten können.

„Eine exakte Diagnostik ist besonders bei Tumorerkrankungen Voraussetzung für eine erfolgreiche Therapie. Ein eindeutiger Befund gibt sowohl unseren Patientinnen und Patienten, als auch den behandelnden Ärztinnen und Ärzten mehr Sicherheit bei der Planung der weiteren Behandlungsschritte“, führt Prof. Dr. Peter Huppert aus. „Die PET/CT stellt derzeit das modernste bildgebende Verfahren zur Lokalisation bösartiger Tumorherde dar. Wir sind sehr froh, dass wir dies jetzt in unserem Haus der Maximalversorgung für die Menschen in Südhessen exklusiv anbieten können.“

Was ist PET?

Die PET ist ein nuklearmedizinisches Verfahren, bei dem eine schwach radioaktive traubenzuckerähnliche Substanz F-18-FluorDesoxyGlukose verabreicht wird. Vor über 70 Jahren beobachtete man, dass Krebszellen einen erhöhten Zuckerstoffwechsel haben. Nun ist es möglich, diese Erkenntnis zum Wohl des Patienten zu nutzen. Mit der PET kann der Zuckerstoffwechsel gemessen und bildlich dargestellt werden. Dazu wird dem Patienten ein schwach radioaktiv markierter Zucker durch Injektion verabreicht und anschließend dessen Verteilung im Körper untersucht. Die PET-Kamera erstellt ein Bild der Zuckerverteilung in unserem Körper: Das gesunde Gewebe nimmt nur mit geringer Intensität und mehr oder weniger gleichmäßig Zucker auf, sodass die „Krebszellen“ herausleuchten. Man erkennt sie mit der PET frühzeitig und sicher und kann dabei ihre anatomische Lage in Bezug zu den sie umgebenden Organen grob bestimmen.

Was ist CT?

Die CT ist ein etabliertes Schnittbildverfahren, mit dem detailgenaue Schichtbilder des menschlichen Körpers erstellt werden. In den meisten Fällen wird ein Kontrastmittel verabreicht, um aussagekräftige Bilder zu bekommen. Mit der CT kann man anatomische Bilder von Organen und Strukturen wie Gefäßen und Lymphdrüsen gewinnen. Ab einer gewissen Größe sind Krankheitsbilder erkennbar und genau zu lokalisieren. Aber häufig kann mit diesem Verfahren nicht ausreichend sicher zwischen gesundem Gewebe, gutartigen Veränderungen und bösartigem Tumorgewebe unterschieden werden.

PET/CT = PET + CT!

Die PET/CT ermöglicht in einer einzigen Untersuchung unter vergleichbaren Bedingungen die sich ergänzenden Vorteile beider Verfahren zu nutzen und zu einem aussagekräftigen Bild mit präzisen Aussagen zu vereinen. Studien haben gezeigt, dass die Treffsicherheit von PET/CT-Untersuchungen beim Nachweis wie auch beim Ausschluss bösartiger Tumorherde gegenüber alleinigen herkömmlichen CT-Untersuchungen deutlich größer ist. „Hierdurch wird bei etwa jedem fünften Patienten der Behandlungsplan verändert“, erläutert Prof. Dr. Huppert weiter. „Für unsere Patientinnen und Patienten ergibt sich neben dem Vorteil der exakten Erkennbarkeit einzelner Tumorherde und deren Unterscheidung in gutartige und bösartige Herde auch der Nutzen, dass zur Erfassung aller Körperregionen nur eine Untersuchung notwendig ist. Dies trifft auch auf die Beurteilung der Wirksamkeit verschiedener Tumorherde auf Behandlungen wie Chemotherapie und Strahlentherapie zu; insgesamt verkürzt sich die Zeit für individuell angepasste Therapieentscheidungen durch den gezielten Einsatz der PET/CT erheblich.“

PET/CT in Diagnose und Therapie

Wenn eine bösartige Tumorerkrankung festgestellt wurde, ist es für die Therapieplanung ganz wesentlich, das exakte Ausmaß der Tumorausbreitung im Körper zu kennen. Dies ist entscheidend, um richtig zwischen operativen strahlentherapeutischen und medikamentösen Tumortherapien zu entscheiden. Nicht jeder vergrößerte Lymphknoten in Ultraschall oder CT muss bösartig sein. Andererseits können kleine, versteckt gelegene Tumorherde durch die PET erkannt und nach Fusion mit den CT-Bildern exakt lokalisiert werden. PET/CT-Untersuchungen tragen somit wesentlich zur richtigen Wahl der Therapieart bei. Häufig werden PET/CT-Untersuchungen auch eingesetzt, um das Wiederauftreten von Tumorerkrankungen im Rahmen von Nachsorgeuntersuchungen frühzeitig zu erkennen, damit entsprechende Behandlungen rechtzeitig erfolgen können. So können Absiedelungen von Krebszellen in anderen Organen mit der PET frühzeitig erfasst werden. Der dritte wesentliche Beitrag der PET/CT bei der Behandlung von Patienten mit Tumorerkrankungen ist das frühzeitige Erkennen des vorhandenen aber auch des mangelhaften oder fehlenden Ansprechens auf eine Chemo- oder Strahlentherapie. Durch diese Möglichkeit der kurzfristigen Überprüfung der Therapiewirksamkeit kann die Behandlung gegebenenfalls frühzeitig angepasst und muss manchmal auch umgestellt werden. Vergleichende Studien haben gezeigt, dass Tumorherde im Stoffwechselbild der PET genauer erkannt werden als im anatomisch-morphologischen Bild von herkömmlichen CT- und MRT-Untersuchungen. Der Zusammenbruch des Stoffwechsels in Tumorherden lässt sich mittels PET/CT viel früher erkennen, als die Wochen bis Monate später eintretende Schrumpfung der Tumorherde, die dann auch mittels CT und MRT erkennbar wird.

Ablauf der Untersuchung

Bereits vor Beginn einer PET/CT-Untersuchung sind einige wichtige Dinge zu beachten, die wesentlich für die Qualität des Untersuchungsergebnisses sind. Dies betrifft z.B. die körperlichen Aktivitäten und spezielle Hinweise für Diabetiker. Nach einem Aufklärungsgespräch mit der betreuenden Ärztin oder dem Arzt wird den Patienten eine radioaktiv markierte Traubenzuckerlösung in eine Vene injiziert. Die eigentliche Aufnahme (das „Zucker-Verteilungsbild“) beginnt etwa eine Stunde nach der Injektion und dauert zwischen 20 und 30 Minuten. Für die Erweiterung der CTDiagnostik kann in Abhängigkeit von der Fragestellung eine intravenöse Kontrastmittelgabe beim CT sinnvoll sein. In der Mehrzahl der Fälle liefert die CT aber nur das anatomische „Hintergrundbild“, was kein Kontrastmittel erfordert. Die Strahlendosis ist für diese CT-Untersuchung deutlich geringer als bei herkömmlichen diagnostischen CT-Untersuchungen; man spricht vom low dose CT.

Was passiert nach der Untersuchung?

Nach einer PET/CT Untersuchung können Patienten ihren üblichen Tätigkeiten in gewohnter Weise nachgehen. Die Untersuchung muss anschließend an speziellen Computern rekonstruiert und für die Beurteilung aufgearbeitet werden: dafür ist die Anwesenheit der Patienten nicht notwendig.

Kostenübernahme

Die Kosten für PET/CT-Untersuchungen werden regelhaft von allen Krankenkassen derzeit nur bei bestimmten Tumorerkrankungen übernommen. Die Notwendigkeit einer PET/CT muss gegenüber der Krankenkasse also in jedem Fall begründet werden. Dies übernimmt das Institut am Klinikum Darmstadt und stellt hierzu bei den Krankenkassen einen individuellen Antrag auf Kostenübernahme. Die Krankenkasse entscheidet darüber in etwa binnen einer Woche. Sollte die Krankenkasse die Untersuchungskosten nicht übernehmen, besteht die Möglichkeit der Inanspruchnahme einer individuellen Gesundheitsleistung (IGELLeistung).

Die Kosten liegen bei knapp 1.000 Euro. Private Krankenkassen tragen meist die Kosten einer PET/CT, jedoch sollte auch hier die Untersuchung bei der Krankenkasse angezeigt und die Kostenübernahme beantragt werden.

Für jeden Patienten und jede Patientin, die vom Team von Prof. Dr. Huppert im PET/CT untersucht wird, muss das Radiopharmakon individuell bestellt werden. Die Kosten für das Nuklid liegen zwischen etwa 360 und 480 Euro.

Das Klinikum Darnstadt berät Sie gern, ob eine Untersuchung mit dem PET/CT in Ihrem Fall richtig und nützlich ist:

Institut für Diagnostische und Interventionelle Radiologie 
Grafenstraße 9
64283 Darmstadt
Telefon: 06151 – 107 6751
Telefax: 06151 – 107 6849
Montags bis freitags von 8.00 Uhr bis 15.30 Uhr.

Ergänzende Hintergrundinformationen: Indikationsgruppen für PET/CT-Untersuchungen

  • Lungentumore
  • Maligne Lymphome
  • Gastrointestinale Tumore
  • Endokrine/Neuroendokrine Tumore
  • Gynäkologische Tumore
  • Kopf-/Halstumore
  • CUP-Syndrom (unbekannter Primärtumor)
  • Hauttumore
  • Skelett- und Weichteiltumore
  • Hirntumore
  • Pädiatrische Tumore
  • Urologische Tumore

Im Institut für Diagnostische und Interventionelle Radiologie gibt es eine Aufstellung von Bewertungskriterien, von Indikationen und deren Klassifikationen: Von „klinischer Nutzen ist ohne Einschränkung erwiesen“ – etwa bei Bronchialkarzinomen (Dignität des Lungenrundherdes erhöhtes Operationsrisiko) – bis „meistens ohne klinischen Wert“ – etwa bei Skelett- und Weichteiltumore (Therapiestaging).

Pressemitteilung Klinikum Darmstadt
Klinikum Darmstadt, Eva Bredow-Cordier, Leiterin Marketing, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Tel.: 06151 / 107 6709, Fax: 06151 / 107 5009, eMail: eva.bredow-cordier@mail.klinikum-darmstadt.de
30.06.2014
22.06.2017, 11:21 | tsc
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