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  • Thomas Schönemann

Kinderonkologie

Eine Spende, die Leben retten kann

Offizielle Übergabe der neuen Medizintechnik. © Foto: Universitätsklinikum Ulm
Offizielle Übergabe der neuen Medizintechnik. © Foto: Universitätsklinikum Ulm

Schweres Atemversagen bei Kindern mit onkologischen und anderen lebensbedrohlichen Erkrankungen ist ein großes Risiko, gegen das die Ärzte und Pflegekräfte der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin am Universitätsklinikum Ulm Tag für Tag ankämpfen. Eine Aufgabe, bei der nicht nur große medizinische Erfahrung entscheidend ist, sondern auch modernste Medizintechnik ein lebensrettendes Element sein kann.

Das sah auch die „Jan und Berta Schmidt-Stiftung“ so und spendete 38.800,- Euro. Geld, das es der Klinik ermöglichte, ein so genanntes Videolaryngoskop anzuschaffen, das während einer endotrachealen Intubation (Einführung eines Tubus über den Mund zur Sicherung der Atemwege) mittels einer kleinen Kamera Bilder vom Kehlkopfeingang liefert. Außerdem ermöglichte die Spende die Anschaffung von zwei Oximetriegeräten, mit denen die Sauerstoffsättigung z.B. im Gehirn direkt gemessen werden kann. Am Donnerstag, 21.11.13, besuchten Rainer Unterstaller, Stiftungsvorstand der „Jan und Berta Schmidt-Stiftung“, und Prof. Dr. Karl Reinhard Aigner, Medizinischer Direktor des Media Klinikums in Burghausen an der Salzach und Stiftungsrat der Stiftung, der den Kontakt zwischen Kinderklinik und Stiftung hergestellt hat, den Ulmer Michelsberg, um die Geräte offiziell zu übergeben.


„Ich freue mich sehr über das Engagement der Stiftung und von Herrn Professor Aigner“, sagt Prof. Dr. Klaus-Michael Debatin, Ärztlicher Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin, „denn die Geräte können nicht nur dazu beitragen, dass lebensrettende Prozeduren sicherer durchgeführt werden, sondern sie erhöhen auch das Niveau unserer ärztlichen Ausbildung“.

Hintergrund: Die endotracheale Intubation erfordert eine besondere Expertise und sollte bei kritisch kranken Patienten möglichst nur von erfahrenen Ärzten durchgeführt werden. Wie aber kann der noch ungeübte Mediziner Erfahrungen sammeln? „Das Videolaryngoskop hilft, diesen Spagat zu überbrücken. Die Kamera zeigt den Kehlkopfeingang, das ermöglicht eine optimale Mitverfolgung der Intubation und Verifizierung der korrekten Durchführung am Bildschirm“, erläutert Professor Debatin.

Auf die unschätzbaren Vorteile der Oximetriegeräte weist Prof. Dr. Helmut Hummler, Leitender Oberarzt und Leiter der Sektion Neonatologie und Pädiatrische Intensivmedizin hin: „Bei der Behandlung von Kindern mit schwerem Atemversagen ist neben dem Gasaustausch oftmals der Kreislauf und damit die Versorgung der Gewebe beeinträchtigt. Das ist für lebenswichtige Organe wie z.B. Nieren und Gehirn von elementarer Bedeutung. Zwar kann der Sauerstoffgehalt des arteriellen Bluts seit vielen Jahren mittels Pulsoximetrie gemessen werden, jedoch können nur dann die Gewebe mit genügend Sauerstoff und Nährstoffen versorgt werden, wenn auch die Durchblutung der Gewebe ausreichend ist“, führt Professor Hummler aus.

Genau an dieser Stelle liefern die neuen Oximetriegeräte nun wertvolle Informationen. Die so genannte Nahinfrarotspektroskopie (NIRS) ermöglicht die Messung der Versorgung von Geweben mit Sauerstoff. „Bei Auffälligkeiten können wir wesentlich früher reagieren und entsprechende Therapiemaßnahmen einleiten“, verdeutlicht Professor Hummler.

Vor diesem Hintergrund war es für Rainer Unterstaller, Stiftungsvorstand der „Jan und Berta Schmidt-Stiftung“, selbstverständlich, die Klinik zu unterstützen: „Gerade krebskranken Kindern zu helfen lag den Stiftern am Herzen, ihnen Perspektiven zu geben, Leiden zu lindern und die Forschung im Bereich der Kinderonkologie voranzutreiben. Diese Investition ist ganz im Sinne der Stifter und fand im Stiftungsrat gleich Zustimmung. Wir freuen uns, hier einen Beitrag leisten zu können und wünschen uns, dass damit Leben gerettet wird.“

Weitere Informationen:
Die Stiftung wurde nach dem Tod von Jan Schmidt, gestorben 20.01.2005, und Berta Schmidt, gestorben 04.02.2008, im Andenken und in Erfüllung ihres letzten Willens gegründet und von der Regierung von Oberbayern am 1. Dezember 2008 als Stiftung des bürgerlichen Rechts mit Sitz in Burghausen anerkannt. Der Stiftungsrat setzt sich aus Stephanie Gräfin Bruges von Pfuel, Dr. Maria Linderer und Prof. Dr. Karl Reinhard Aigner zusammen.
Die Eheleute Schmidt stammen beide aus Brünn/Tschechien. Mitte der 60er Jahre flüchteten sie aus der damaligen Tschechoslowakei nach Deutschland, wo sie sich in Frankfurt am Main ein neues Leben aufbauten, bevor sie ihren Lebensabend in Burghausen verbrachten. Es lag ihnen am Herzen, Kindern zu helfen, und deshalb verfügten sie die Gründung einer Stiftung. Zweck der Stiftung ist die Förderung von Forschungsprojekten in der Kinderonkologie, die Verbesserung der medizinischen Versorgung und die Unterstützung krebskranker Kinder.

Jörg Portius, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Universitätsklinikum Ulm
Jörg Portius, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Universitätsklinikum Ulm, Tel.: 0731 / 500-43043.
21.11.2013
22.06.2017, 11:21 | tsc
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