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  • Thomas Schönemann

BARMER GEK Arztreport 2014

Hautkrebsrepublik Deutschland

Hautkrebs-Früherkennungsuntersuchung. © Foto: dpa picture alliance/BARMER GEK
Hautkrebs-Früherkennungsuntersuchung. © Foto: dpa picture alliance/BARMER GEK

In Deutschland steigt die Zahl der Menschen mit der Diagnose Hautkrebs rasant an. Laut Arztreport der BARMER GEK waren im Jahr 2012 rund 1,56 Millionen Menschen von bösartigen Neubildungen der Haut betroffen, manche Patienten mehrfach. An der gefährlichsten Form, dem malignen Melanom, litten 318.000 Menschen und damit 60 Prozent mehr als 2005.

Noch weitaus verbreiteter ist der sogenannte "helle Hautkrebs", für den 2012 insgesamt 1,3 Millionen Diagnosen dokumentiert wurden. Das entspricht einer Steigerung von 79 Prozent. Jedes Jahr erkranken über 200.000 Menschen neu an Hautkrebs. "Hautkrebs ist wohl eine der unterschätzten Krebserkrankungen in Deutschland. Offensichtlich sind sich viele Bundesbürger der Gefahr von UV-Strahlung nicht bewusst", so Dr. Rolf-Ulrich Schlenker, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der BARMER GEK, bei der Vorstellung des Arztreports 2014 in Berlin.

Altersgrenze aufheben

Ein Grund für den Anstieg der Diagnosen sei das seit Juli 2008 von den Krankenkassen bezahlte Hautkrebs-Screening. Es habe für die Erkrankung zweifellos mehr Sensibilität geschaffen. Ab 35 Jahren steht gesetzlich Krankenversicherten alle zwei Jahre ein solches Screening zu. Angesichts der deutlich steigenden Diagnoseraten fordert die BARMER GEK, die Altersgrenze aufzuheben, um auch jungen Menschen den Zugang zur Früherkennung zu erleichtern. Laut Report der Krankenkasse waren im Jahr 2012 rund 48.800 Menschen von Hautkrebsdiagnosen betroffen, die aufgrund ihres Alters nicht am Screening teilnehmen durften. Darunter waren 15.400 Frauen und 8.200 Männer mit einem malignen Melanom.

Knappes Drittel nutzt Screening

2012 wurden nach Hochrechnung von Daten der BARMER GEK für gesetzlich Krankenversicherte insgesamt 7,55 Millionen Screening-Untersuchungen abgerechnet. 2011 und 2012 nutzten sie damit 31 Prozent der Anspruchsberechtigten. Frauen nutzen die Gelegenheit zur Früherkennung etwas häufiger als Männer (32 zu 30 Prozent). Die Untersuchungen fanden mehrheitlich beim Hausarzt statt. Sie führten 4,18 Millionen Untersuchungen durch, Dermatologen 3,37 Millionen.

Arbeitsteilung zwischen Dermatologen und Hausärzten

Studienautor Dr. Thomas Grobe vom AQUA-Institut Göttingen verwies auf einen weiteren Aspekt. "Während die Screening-Teilnahme bei Dermatologen deutlich mit Ausbildung und Einkommen der Versicherten steigt, erreichen Hausärzte Versicherte aus allen sozialen Schichten gleichermaßen. Dass nach einem Screening bei Dermatologen mehr Hautkrebs-Diagnosen gestellt werden als bei Hausärzten (10,2 gegenüber 2,6 Prozent) dürfte maßgeblich auch Folge einer Betreuung typischer Risikopatienten durch Dermatologen sein. Haus- und fachärztliche Betreuung ergänzen sich gut", so Grobe. Das AQUA-Institut in Göttingen unter Leitung von Prof. Dr. Joachim Szecsenyi ist seit diesem Jahr neuer wissenschaftlicher Partner für den jährlich erscheinenden Arztreport der BARMER GEK.

Hautkrebsprophylaxe mit einfachen Mitteln

Hautkrebs lässt sich einfach vorbeugen: Schatten statt Sonne, Freizeitaktivitäten nicht in den Mittagsstunden, UV-Schutz mit sonnengerechter Kleidung inklusive Kopfbedeckung, Sonnenschutzcreme mit hohem Lichtschutzfaktor, Sonnenbrille und der Verzicht auf Solarien. Vor allem Kindern und jungen Leuten sollte ein Sonnenbrand erspart bleiben. Daneben ist es ratsam, die Haut selbst regelmäßig auf Veränderungen zu prüfen.

Ärzte-Hopping nicht nachweisbar

Der Arztreport der BARMER GEK nutzt die anonymisierten Abrechnungsdaten von über acht Millionen Versicherten auch für ein detailliertes Bild der ambulant-ärztlichen Versorgung in Deutschland. Im Jahr 2012 waren demnach 92 Prozent der Menschen in Deutschland in ambulanter ärztlicher Behandlung. Pro Person wurden dabei 8,21 Behandlungsfälle gezählt. Das früher häufiger beschworene Ärzte-Hopping gibt es offenbar nicht, so Schlenker. Im Mittel wurde ein Versicherter von 3,38 Ärzten behandelt. Nur knapp 11 Prozent der Versicherten suchten mehr als sechs Ärzte auf.

Link zum BARMER GEK Arztreport 2014

Fakten zum Thema "Hautkrebs"

  • Definition von Hautkrebs: Hautkrebs entsteht durch die unkontrollierte Teilung von Hautzellen. Dadurch können Tumore entstehen, die unterschiedlich aussehen. Sichtbare Erhebungen auf der Haut oder kleine schuppige, verfärbte Stellen sind meist harmlos. Ob es Hautkrebs ist, vermag nur ein gut geschulter Arzt verlässlich zu sagen.
  • Hautkrebsarten: Man unterscheidet zwei große Gruppen. Die gefährlichste Form ist das maligne Melanom, der "schwarze Hautkrebs". Es kann schnell Metastasen im Körper bilden und zum Tode führen. Der "helle oder weiße Hautkrebs" fasst vor allem den Basalzellkrebs und den Stachelzellkrebs zusammen, das Risiko von Metastasen ist viel geringer. Daneben gibt es einige weitere seltene Hautkrebsarten.
  • Diagnoseraten: Bereinigt um demografische Effekte ergibt sich aus Hochrechnungen der Daten der BARMER GEK auf die Gesamtbevölkerung beim malignen Melanom eine Steigerung der Diagnosezahlen um 60 Prozent von 2005 auf 2012 (+ 7 Prozent pro Jahr). Absolut stieg die Zahl der Betroffenen von 189.000 auf 318.000. Ohne die Berücksichtigung demografischer Effekte ist damit der Anstieg noch höher und liegt bei 68 Prozent (+ 7,7 Prozent pro Jahr). Bei "hellem Hautkrebs" beträgt der um demografische Effekte bereinigte Anstieg 79 Prozent, ohne diese Bereinigung beträgt er 101 Prozent. In absoluten Zahlen: 2005 wurden 647.000 Betroffene gezählt, 2012 waren es 1,3 Millionen.
  • Überleben nach Hautkrebs: Zwei Jahre nach der Erstdiagnose eines malignen Melanoms leben noch 97,3 Prozent der Männer und 97,5 Prozent der Frauen, die diesen Zeitraum bei altersentsprechend üblicher Sterblichkeit überlebt hätten. 2012 sind in Deutschland 2.875 Menschen an einem schwarzen Hautkrebs gestorben (Statistisches Bundesamt).
  • Hautkrebs-Screening: Das seit 1. Juli 2008 von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlte Screening auf Hautkrebs können Versicherte ab 35 Jahren alle zwei Jahre nutzen. Männer nahmen daran 2011 und 2012 zu 30 Prozent teil. Bei den Frauen lag die Teilnahme bei 32 Prozent.

Fakten zur ambulant-ärztlichen Versorgung

  • Behandlungsrate: Nach alters- und geschlechtsstandardisierten Auswertungen der BARMER GEK Daten hatten 2012 insgesamt 92,1 Prozent der Bevölkerung mindestens einmal Kontakt zur ambulanten ärztlichen Versorgung (2011: 92,4 Prozent).
  • Behandlungsfälle: 2012 wurden pro Person 8,21 Behandlungsfälle ermittelt (2011: 8,23). Unter einem Behandlungsfall werden jeweils alle Behandlungen eines Patienten bei einem Arzt oder einer abrechnenden Praxis innerhalb eines Quartals zusammengefasst.
  • Behandlungskosten: Für die ambulante ärztliche Behandlung entstanden 2012 im Mittel Kosten von 489 Euro pro Kopf. Während Männer durchschnittliche Kosten von 423 Euro verursachten, lagen diese bei den Frauen bei durchschnittlich 552 Euro. 2011 lagen die jeweiligen Werte bei 485 (Mittelwert), 419 (Männer) bzw. 548 (Frauen) Euro.
  • Behandlungen nach Facharztgruppen: 33,9 Prozent der Behandlungsfälle wurden 2012 von allgemeinmedizinischen oder internistischen Hausärzten abgerechnet. Ihr geschätzter Anteil an der Vergütung lag bei 31,2 Prozent.
  • Kontakte zu unterschiedlichen Ärzten: Für 2012 zeigen Hochrechnungen aus den BARMER GEK Daten, dass für 40,7 Prozent der Bevölkerung Leistungen von vier und mehr Arztpraxen abgerechnet wurden. 10,9 Prozent aller Versicherten suchten mehr als sechs unterschiedliche Arztpraxen auf. Lediglich 1,3 Prozent nutzten mehr als zehn Praxen. Anhaltspunkte für ein sogenanntes Ärzte-Hopping ergeben sich aus diesen Zahlen nicht.
  • Ambulante Diagnosen: Im Schnitt wurden 2012 je Person 30,4 Diagnoseschlüssel dokumentiert. Das ergibt auf die Gesamtbevölkerung hochgerechnet 2,49 Milliarden Diagnoseschlüssel insgesamt. Daraus lassen sich durchschnittlich fast zehn (9,7) im Sinne von Erkrankungen unterscheidbare Diagnoseangaben pro Versichertem differenzieren.
Pressemitteilung BARMER GEK
Athanasios Drougias (Leitung), Tel.: 0800 / 33 20 60 99-1421, eMail: presse@barmer-gek.de
04.02.2014
22.06.2017, 11:21 | tsc
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