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  • Thomas Schönemann

KKS-Netzwerk

Koordinierungszentren wichtige Voraussetzung hochschulmedizinischer Spitzenforschung

Ein Radiologe wertet eine Röntgenaufnahme aus. © Foto: AOK-Mediendienst
Ein Radiologe wertet eine Röntgenaufnahme aus. © Foto: AOK-Mediendienst

Das Netzwerk der Koordinierungszentren für Klinische Studien (KKS-Netzwerk) plädiert für eine nachhaltige Finanzierung forschungsfördernder Infrastrukturen an den Universitäten, um den Anschluss an die internationale Spitzenforschung zu sichern. Das Netzwerk beruft sich auf ein am 26.2.2014 veröffentlichtes Gutachten der Expertenkommission Forschung und Innovation (EFI), das deutlichen Handlungs-bedarf im Bereich der hochschulmedizinischen Forschung in Deutschland definiert hat.

Das KKS-Netzwerk plädiert dafür, die Forschungsinfrastruktur der Koordinierungszentren für neue Förderprogramme konkret zu nutzen, um auf diese Expertise aufzubauen und Doppelstrukturen zu vermeiden. Die ersten Koordinierungszentren gehen zurück auf eine BMBF-Infrastrukturförderung aus den Jahren 1998/1999. Viele Universitäten/ Universitäts-klinika haben in den letzten Jahren ähnliche Strukturen nach dem Vorbild der Koordi¬nie-rungs¬¬zentren aufgebaut.

Koordinierungszentren für Klinische Studien beraten Ärzte, Studiengruppen, Kompetenz-netze und Unternehmen bei der Realisierung ihrer Studienidee, helfen bei der Beantragung von Fördergeldern und bieten gezielte Wissenschaftsdienstleistungen rund um die Planung, Durchführung und Publikation klinischer Studien. Oberstes Ziel dieser Einrichtungen ist es, die Qualität akademisch initiierter klinischer Studien auf höchstem Niveau zu sichern. „Wir bewegen uns in der klinischen Forschung in einem hochregulierten, dynamischen und komplexen Umfeld“, so Carmen Schade-Brittinger, Vorstandssprecherin des KKS-Netzwerks. „Klinische Forschung ist in der Regel multizentrisch und meist international, hier bedarf es Spezialisten, die die Umsetzung von Forschungsideen mit dem nötigen Know-how, guten Kontakten und entsprechend hoher Qualität nach internationalen Richtlinien unterstützen können. Gerade im Hinblick auf den wachsenden Wettbewerbsdruck kann sich eine Universität klinische Forschung ohne studienunterstützende Kompetenz vor Ort strategisch eigentlich gar nicht leisten“, ist Carmen Schade-Brittinger überzeugt.

Für Forschung qualifizieren

Über die im EFI-Gutachten für wichtig befundene räumliche Nähe von Forschungseinrichtun-gen, Krankenhäusern und Unternehmen benötigt Spitzenforschung exzellentes und gut ausgebildetes Personal. Auch das KKS-Netzwerk hält die Situation der forschenden Mediziner im Hinblick auf finanzielle Anreize, Entbindung von Lehrverpflichtungen etc. für verbesserungswürdig. Neben der gezielten universitären Ausbildung kommt Spitzen-forschung nicht ohne Zusatzqualifikationen beim Studienpersonal aus. Hier haben die Koordinierungszentren für klinische Studien mit Fortbildungsangeboten Pionierarbeit im akademischen Umfeld geleistet: Von 2004 bis 2013 wurden über 13.000 Teilnehmer in rund 500 Kursen nach einheitlichen Curricula für die spezifischen Anforderungen geschult. Darüber hinaus werden berufsbegleitende Masterstudiengänge unter Beteiligung der KKS/ZKS angeboten. Die Finanzierung der Aus- und Fortbildung von Studienpersonal gehört zu den finanziellen Belastungen, für die es einer entsprechenden Unterstützung der Universitätsklinika bedarf.

Vernetzt forschen, Qualität sichern

Das KKS-Netzwerk plädiert für eine weitere Vernetzung der Hochschulstandorte, um die wissenschaftsinitiierten klinischen Studien gemeinsam weiter voran zu bringen. So sollten bereits etablierte Forschungsinfrastrukturen auch bei neuen Förderprogrammen genutzt werden, um die vorhandene Expertise einzubeziehen und Synergien gezielt zu nutzen. Beispielsweise wurden im KKS-Netzwerk unter anderem standardisierte Arbeitsanwei-sungen, sogenannte Standard Operating Procedures (SOPs), für wissenschaftsinitiierte klinische Studien entwickelt, um einheitlich hohe Qualitätsstandards in der akademischen Forschung zentrumsübergreifend zu etablieren. Diese SOPs werden kontinuierlich auf den neuesten Stand gebracht und der Hochschulgemeinschaft kostenlos zur Verfügung gestellt. Ähnliche Zusammenarbeit der Standorte existiert auf anderen Gebieten.

Studiensupport erfolgreich verankern

„Wir sind in Deutschland auf einem guten Weg, was klinische Forschung anbelangt“, resümiert Carmen Schade-Brittinger. Eine Mitte November 2013 im British Medical Journal veröffentlichte Studie zu den Auswahlkriterien von Studienstandorten in Europa unter dem Namen SAT-EU (Survey of Attitudes towards Trial sites in Europe) zeigt, dass prüfer-, klinik- und umfeldbedingte Faktoren die Auswahl eines Studienstandortes maßgeblich bestimmen. Deutschland liegt im Ranking als bester Studienstandort in Europa vorn. Auch das EFI-Gutachten verweist auf diese Studie. „Die Universitäten/Universitätsklinika benötigen Mittel für die Finanzierung von Qualitätsgaranten wie den Koordinierungszentren für Klinische Studien, um medizinische Forschungsprojekte erfolgreich aufzusetzen und den Anschluss an die weltweite Spitzenforschung nicht zu verpassen. Qualifizierter Studiensupport für klinische Forschungsprojekte muss im Hochschulsystem organisatorisch und budgetär langfristig verankert werden“, so Carmen Schade-Brittinger. “Vorhandene Infrastrukturen zur Durchführung klinischer Studien müssen bewahrt und bedarfsgerecht aus- ggf. auch aufgebaut werden. Fehlt eine solche dauerhafte Unterstützung und sind die Strukturen darauf angewiesen, sich vollständig selbst zu tragen, dann wird insbesondere die in der Regel unterfinanzierte unabhängige klinische Forschung darunter leiden. Gerade diese Projekte sind es aber, die neben der Entwicklung neuer Behandlungsalternativen die Behandlungsoptionen für die Patienten verbessern helfen. Das KKS-Netzwerk fordert daher eine dauerhafte finanzielle Unterstützung durch Bund oder Länder für die Koordinierungs-zentren und verwandte Strukturen, um medizinische Spitzenforschung zu ermöglichen. Auch wird nach Auffassung des KKS-Netzwerks zukünftig neben der programmatischen Forschungsförderung eine gezielte Projektförderung benötigt, um die Durchführung exzellenter, akademischer klinischer Studien auch unabhängig von der inhaltlichen Fokussierung der Programme zu ermöglichen.

KKS-Netzwerk

Das KKS-Netzwerk bündelt mit derzeit 18 Koordinierungszentren für Klinische Studien/Zentren für Klinische Studien sowie dem Chirurgischen Netzwerk deutschlandweit Expertise und Ressourcen für die Planung und Durchführung klinischer Studien. Aktivitäts-schwerpunkte sind wissenschaftliche Serviceleistungen für klinische Studien¬projekte, Politikbegleitung zur Verbesserung der regulativen Rahmenbedingungen sowie die Aus-, Fort- und Weiterbildung von Studienpersonal durch seine Mitglieder. Das KKS-Netzwerk ist darüber hinaus deutscher Partner innerhalb der europäischen Forschungs¬infrastruktur ECRIN-ERIC, das europäische Verbundprojekte in der klinischen Forschung über die Bereitstellung von Strukturen und Ansprechpartner stärken soll.

Weitere Informationen:
http://www.kks-netzwerk.de

Christoph Wanko, Unternehmenskommunikation und Marketing, Uniklinik Köln
Geschäftsstelle des KKS-Netzwerks, Presse- & Öffentlichkeitsarbeit, Stephanie Wolff, c/o Uniklinik Köln, Kerpener Str. 62, 50937 Köln, Fon: +49 (0)221 478 96500 Fax: +49 (0)221 478 96504
07.04.2014
22.06.2017, 11:21 | tsc
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