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Ausbildung

Neuer OP-Simulator soll für sicheren Start junger Ärzte sorgen

Besteck im OP. © Foto: Martin Büdenbender / pixelio.de
Besteck im OP. © Foto: Martin Büdenbender / pixelio.de

Das Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden erweitert das Ausbildungsspektrum für den ärztlichen Nachwuchs: Ab sofort durchlaufen die angehenden Operateure der Klinik für Viszeral-, Thorax- und Gefäßchirurgie ein umfassendes Trainingsprogramm am neu angeschafften OP-Simulator, bevor sie ihren ersten Eingriff in der so genannten Schlüssel-loch-Chirurgie – auch Laparoskopie genannt – vornehmen dürfen.

Das neue Simulationsgerät ist Teil der neuen „Dresden School of Surgical Oncology“, die Klinikdirektor Prof. Jürgen Weitz Ende vergangenen Jahres initiiert hat. Der OP-Simulator steht im Interdisziplinären Simulationszentrum Medizin Dresden (ISIMED), das seit über zehn Jahren Ärzte und medizinisches Personal schult.

Heute erinnern oftmals nur drei kleine Narben im Bereich des Bauchnabels da-ran, dass Chirurgen einem Patienten Gallenblase, Blinddarm, Niere oder Teile des Dickdarms entfernten, Leistenbrüche versorgten oder gynäkologische be-ziehungsweise urologische Eingriffe vornahmen. Denn bei minimal-invasiven oder laparoskopischen Eingriffen führt der Operateur seine Instrumente über drei Hülsen in den Bauch ein. Skalpell, Zangen, Scheren, Nadeln, die Optik und weitere Dinge muss der Arzt dabei über kleine Körperöffnungen bewegen. Gro-ße Schnitte in der Haut, den Muskeln und dem Bindegewebe und den daraus resultierenden Wunden lassen sich vermeiden. Die schonende OP-Technik mi-nimiert so Blutverluste und Patienten werden schneller wieder mobil.

Doch das Verfahren bedeutet für die Operateure eine besondere Herausforde-rung: weil die Ärzte die über 40 Zentimeter langen Instrumente im Inneren des Körpers millimetergenau führen müssen, ist größere Fingerfertigkeit gefragt. Dabei sehen sie den zu operierenden Bereich lediglich auf einem Bildschirm. „Anders als bei einer offenen Operation müssen wir uns mit zweidimensionalen Bildern begnügen. Beim Führen der Instrumente gibt es in der Laparoskopie keine komplette Bewegungsfreiheit“, sagt Prof. Weitz. Es ist somit auch eine besondere Herausforderung junge Chirurgen in diesen Verfahren auszubilden. „Letztendlich versuchen wir ein Stück weit die Pilotenausbildung nachzuahmen, auch hier steht ja das Training am Flugsimulator vor dem ersten ‚echten Flug‘, begründet der Klinikdirektor die Investition in den neuen OP-Simulator.

Das neue Trainingsgerät soll die Startbedingungen für den Chirurgennachwuchs deutlich verbessern. Statt weit zu reisen und die notwendigen Trainings in Kompaktkursen zu absolvieren, können die jungen Ärzte das Laparoskopie-Training nun unter Aufsicht der Klinik für Viszeral-, Thorax- und Gefäßchirurgie vor Ort absolvieren. Dabei ist es für die Ausbilder um PD Dr. Reißfelder möglich, das Übungsprogramm ihrer Schützlinge live zu begleiten oder sich im Nachgang im Video anschauen. „Der OP-Simulator arbeitet mit einem ausgefeilten Lernprogramm, so dass die Ärzte in Weiterbildung zuverlässig an die Her-ausforderungen laparoskopischer Eingriffe herangeführt werden. Erst wenn sie die Übungen perfekt beherrschen und die von dem Trainingsgerät gestellten Aufgaben fehlerlos bewältigt haben, dürfen sie erstmals einem erfahrenen Facharzt bei einer minimal-invasiven Operation assistieren. Damit verfügen sie in dieser Startphase vermutlich bereits über einen deutlich größeren Erfah-rungsschatz als bisher“, erklärt Prof. Weitz. Insgesamt arbeiten an der von ihm geführten Klinik 30 Ärzte in Weiterbildung, denen neben dem Klinikdirektor 13 erfahrene Oberärzte zur Seite stehen. Durch ein wissenschaftliches Begleit-programm soll zusätzlich ermittelt werden, ob das Training mit dem OP-Simulator tatsächlich die Ausbildung von jungen Chirurgen verbessert.

Neue Chirurgenschule gibt Know-how auch an erfahrene Ärzte weiter

Mit einem zweitägigen Kurs zu modernen OP-Verfahren zur nachhaltigen Ent-fernung von Enddarmtumoren hatte die „Dresden School of Surgical Oncology“ am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden Mitte Dezember 2013 ihre Arbeit aufgenommen. Die von der Klinik für Viszeral-, Thorax- und Gefäßchirur-gie gegründete Chirurgenschule möchte mit Gründung der Institution erfahrenen Chirurgen die Möglichkeit geben, ihr Wissen und Know-how zu innovativen Operationsverfahren zu erweitern und ärztlichen Nachwuchs optimal auf ihre Tätigkeit im OP vorzubereiten.

Holger Ostermeyer, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden
Holger Ostermeyer, Tel.: 0351 / 458-4162, Fax: 0351 / 449-210 505, eMail: pressestelle@uniklinikum-dresden.de
05.02.2014
22.06.2017, 11:21 | tsc
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