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  • Thomas Schönemann

Universitätsklinikum Bonn

Strahlentherapie im OP-Saal reduziert Belastung

Südbrücke Bonn. © Foto: M.E. / pixelio.de
Südbrücke Bonn. © Foto: M.E. / pixelio.de

Spezialisten am Brustzentrum des Universitätsklinikums Bonn führten jetzt die intraoperative Radiotherapie (IORT) bei Brustkrebs zum ersten Mal in Bonn und Region durch. Bereits während der Operation wird der betroffene Bereich nach Entfernung des Tumorgewebes bestrahlt, um verbliebene Krebszellen zu zerstören. Dadurch wird die anschließende Strahlentherapie verkürzt und entlastet so die Patientin.

„Wir freuen uns, durch die Initiierung der IORT beim Mammakarzinom an unserem Brustzentrum dieses junge Therapiekonzept Betroffenen aus dem Großraum Bonn anbieten zu können“, sagt Prof. Dr. Walther Kuhn, Direktor der Frauenklinik am Universitätsklinikum Bonn. Denn die Patientinnen profitieren von einer einmaligen Bestrahlung während des Eingriffs.

Die sechs Wochen dauernde Strahlentherapie nach der Operation ist Standard, sie soll die in der Brust verbliebenen Resttumorzellen zerstören. Ziel ist es, das Rückfallrisiko zu senken. Neben einer vollständigen Bestrahlung der Brust wird dabei der Bereich, aus dem der Tumor entfernt wurde, bis zu acht Mal mit einer erhöhten Dosis von außen bestrahlt. Die IORT kann diesen sogenannten „Boost“ ersetzen. Dazu bringt der Strahlentherapeut, nachdem der Operateur das Tumorgewebe entfernt hat, den Strahlenkopf direkt in die Wundhöhle ein. Die Bestrahlungsdauer beträgt 25 Minuten. „Mit einer etwas längeren Operation können wir unseren Patientinnen etwa zwei Wochen Nachbestrahlung ersparen“, freuen sich Dr. Susanne Oberste-Beulmann, Leitende Oberärztin der Abteilung für Strahlentherapie, und Prof. Dr. Hans Schild, Direktor der Radiologischen Klinik des Universitätsklinikums Bonn.

IORT ersetzt Anschlusstherapie in Studien

Zudem gibt es die Option, eventuell die Bestrahlung der Brust von außen nach der Operation komplett wegfallen zu lassen. Bisher ist dies nur im Rahmen von Studien möglich. Die bereits abgeschlossene TARGIT-A-Studie mit über 2.200 Patientinnen zeigt, dass die IORT bezüglich der Rückfallquote dem Standardverfahren bei geringerer Strahlenbelastung in nichts nachsteht. Das Brustzentrum am Universitätsklinikum Bonn plant die Teilnahme an der TARGIT-C-Studie, die sich an die jüngere Patientin richtet. Außerhalb von Studien ist auch eine Einzelfallentscheidung möglich, wenn einer Patientin eine längere Strahlentherapie nicht zugemutet werden kann.

„Wichtig ist die sorgfältige Auswahl von Betroffenen, für die dieses Verfahren in Frage kommt. Hierfür sind eine gezielte Erhebung der Krankengeschichte, der Begleiterkrankungen und vor allem eine exakte Diagnostik im Vorfeld der Operation erforderlich. Dies alles kann unser Brustzentrum des Bonner Uni-Klinikums als Einrichtung der Maximalversorgung bieten", sagt Dr. Christina Kaiser, Fachärztin für Frauenheilkunde an der Frauenklinik des Universitätsklinikums Bonn.

Kontakt:

Prof. Dr. Walther Kuhn
Direktor der Frauenklinik
Universitätsklinikum Bonn
Telefon: 0228/287-15444
E-Mail: walther.kuhn@ukb.uni-bonn.de

Christina Kaiser
Fachärztin an der Frauenklinik
Universitätsklinikum Bonn
Telefon: 0228/287-15449
E-Mail: christina.kaiser@ukb.uni-bonn.de

Pressemitteilung Universität Bonn/Universitätsklinikum Bonn
Prof. Dr. Walther Kuhn, Direktor der Frauenklinik, Universitätsklinikum Bonn, Tel.: 0228 / 287-15444, eMail: walther.kuhn@ukb.uni-bonn.de
08.07.2014
22.06.2017, 11:21 | tsc
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