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Universitätsklinikum Dresden

Universitätsklinikum startet Dresdner Chirurgenschule

Prof. Jürgen Weitz (2. von links) setzt auf die Weitergabe seines OP-Know-hows. © Foto: Uniklinikum Dresden / Marc Eisele
Prof. Jürgen Weitz (2. von links) setzt auf die Weitergabe seines OP-Know-hows. © Foto: Uniklinikum Dresden / Marc Eisele

Mit einem zweitägigen Kurs zu modernen OP-Verfahren zur nachhaltigen Entfernung von Enddarmtumoren nimmt die „Dresden School of Surgical Oncology“ am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden ihre Arbeit auf. Die von der Klinik für Viszeral-, Thorax- und Gefäßchirurgie gegründete Chirurgenschule trainiert am 12. und 13. Dezember acht Chef- und Oberärzte aus ganz Deutschland in den Details des Operationsverfahrens der Totalen Mesorectalen Excision (TME) beim Rektumkarzinom (Enddarmkrebs).

Ziel dieser Operationsmethode ist es, das erkrankte Gewebe vollständig zu entfernen, um so das Risiko eines Wiederauftretens des Krebses zu minimieren.

Gleichzeitig schont die TME die angrenzenden Gefäße und Nerven und reduziert so die Gefahren für den Patienten nach dem Eingriff unter einer Inkontinenz der Blase oder einer gestörten Sexualfunktionen zu leiden. Die OP-Technik demonstriert TME-Entwickler Prof. Robert Heald aus Basingstoke (Südengland) zusammen mit Klinikdirektor Prof. Jürgen Weitz. Die Kursteilnehmer können beiden Experten bei mehreren Rektumkarzinomoperationen über die Schulter schauen oder die Eingriffe dank Live-Übertragung verfolgen. Die vom Nachrichtenmagazin Focus als beste ostdeutsche Klinik bei Darmkrebsbehandlungen bewertete Klinik möchte mit Gründung der neuen „Schule“ Chirurgen die Möglichkeit einer intensiven Beschäftigung mit verschiedenen Operationsverfahren geben.

Mit diesem Kurs gibt die Klinik für Viszeral-, Thorax- und Gefäßchirurgie (VTG) erstmals ihre Erfahrungen in diesem OP-Verfahren an Ärzte anderer Kliniken weiter. Das chirurgische Know-how aus der Maximalversorgung möglichst vielen Kollegen zu vermitteln, ist ein wichtiges Anliehen des 2012 nach Dresden berufenen Prof. Jürgen Weitz. Deshalb gründete er die Dresden School of Surgical Oncology (DSSO), die mit dem TME-Kurs offiziell startet. „Erfahrungen zeigen, dass die Qualität der Krebschirurgie einen unmittelbaren Einfluss auf die Prognose der Patienten hat. Mit der DSSO haben wir ein Weiterbildungsformat geschaffen, das Kollegen regional und überregional die Möglichkeit eröffnet, sich intensiv mit neuartigen und vor allem erfolgreichen Operationsmethoden und Techniken zu beschäftigen“, ist sich Prof. Weitz sicher. „Mit Prof. Heald konnten wir einen renommierten Experten der Rektumchirurgie gewinnen, sein Wissen weiterzugeben.“ Mit dem Start der Chirurgenschule ergänzt das Dresdner Universitätsklinikum sein hochschulmedizinisches Spektrum ein weiteres Element: „Wir betreiben Hochleistungsmedizin nicht auf einem Elfenbeinturm, sondern verstehen und als Partner insbesondere der ostsächsischen Krankenhäuser. Denn in einer Zeit, in der sich das medizinische Wissen alle fünf Jahre verdoppelt, ist es wichtig, ärztliches Know-how an die Kollegen weiterzugeben. Nur so lässt sich eine hochwertige Krankenversorgung flächendeckend sichern", sagt Prof. Michael Albrecht, Medizinischer Vorstand des Universitätsklinikums.

Die Teilnehmer des ersten Kurses der DSSO sind Chef- und Oberärzte aus Hamburg, Niedersachsen und Sachsen. Gemeinsam werden sie einen Tag in den theoretischen Grundlagen der Operationsmethodik geschult. Am zweiten Kurstag hospitieren sie bei realen Operationen. „Es ist mittlerweile gut belegt, dass durch die Anwendung der TME die Rezidiv rate des Enddarmkrebses gesenkt werden kann“, so Jürgen Weitz. „Bemerkenswert dabei ist, dass bei Patienten die mit dieser Methode behandelt wurden, überdurchschnittliche Überlebenszeiten verzeichnet werden.“ Ein wichtiger Grund dafür ist, dass die Chirurgen das Wissen über den anatomischen Aufbau des Darms einsetzen, um den vom Tumor betroffenen Bereich komplett zu entfernen. Allerdings geht es da um Millimeter: So soll das die Tumorzellen verbreitende Lymphgewebe komplett entnommen werden, nicht aber die dicht daneben liegenden Nerven, die für die Kontrolle der Harnblase und die Sexualfunktionen verantwortlich sind. Verletzt der Chirurg diese Nerven, sind zum Beispiel Inkontinenz und eine erektile Dysfunktion (Impotenz) die Folge.

Ausdruck der Erfahrungen und Expertise der Klinik für Viszeral-, Thorax- und Gefäßchirurgie am Dresdner Uniklinikum sind nicht nur die hohen Fallzahlen sondern auch die Beurteilungen durch Fachkollegen. So wurde die Klinik im jährlich stattfindenden Krankenhaus-Ranking des Nachrichtenmagazins Focus als beste ostdeutsche Klinik bei Darmkrebsbehandlungen eingestuft. Diese Expertise will die Klinik ab sofort im Rahmen der Dresden School of Surgical Oncology mit anderen Einrichtungen teilen. Der nächste Kurs zum Thema Enddarmkrebs ist für das Frühjahr 2014 geplant.

Holger Ostereier, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden
Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden, Klinik für Viszeral-, Thorax- und Gefäßchirurgie, Direktor: Prof. Dr. med. Jürgen Weitz, Tel.: 0351/ 4 58 27 42, eMail: juergen.weitz@uniklinikum-dresden.de
11.12.2013
22.06.2017, 11:21 | tsc
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