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"Bill of Rights" für europäische Krebspatienten

Onkologen der Wiener Uniklinik präsentieren Patientencharta

Eine Expertengruppe aus Onkologen und Patientenvertretungen, hat eine "Grundrechtscharta" für Krebspatienten verfasst, die vom EU-Parlament und von der EU-Kommission anerkannt wird. © Foto: Fotodienst.at, Anna Rauchenber
Eine Expertengruppe aus Onkologen und Patientenvertretungen, hat eine "Grundrechtscharta" für Krebspatienten verfasst, die vom EU-Parlament und von der EU-Kommission anerkannt wird. © Foto: Fotodienst.at, Anna Rauchenber

Die European Cancer Concord, eine Expertengruppe aus Onkologen und Patientenvertretungen, hat eine "Grundrechtscharta" für Krebspatienten verfasst, die vom EU-Parlament und von der EU-Kommission anerkannt wird. Das berichtet Christoph Zielinski, Leiter der Onkologie-Abteilung am AKH Wien, in einer Pressekonferenz anlässlich des demnächst stattfindenden Krebstages im Wiener Rathaus.

Er und weitere Ärzte der Uniklinik haben zudem neue Therapie-Entwicklungen vorgestellt.

Trojaner für die Krebszelle

Die Patientencharta ist eine Art "Bill of Rights", wie es Zielinski ausdrückt. "Sie soll dazu beitragen, die ungleiche Qualität der Behandlung in der EU auszugleichen", betont er. Die Charta gibt den Bürgern drei Rechte. Erstens: genaue Informationen und aktive Mitentscheidung bei ihrer Behandlung. Zweitens: optimalen Zugang zu Fachpflege basierend auf dem aktuellen Forschungsstand.

Das dritte Recht lautet: "eine Versorgung durch Gesundheitssysteme, die verbesserte Ergebnisse, die Rehabilitation der Patienten, eine bestmögliche Lebensqualität sowie eine erschwingliche Behandlung ermöglichen." Dadurch soll jeder EU-Bürger darin bestärkt werden, sein Recht auf eine optimale Versorgung im eigenen Land einzufordern, so Zielinski. Allerdings muss er einräumen, dass dies nicht bindend ist.

"Der EU-Gesundheitskommissar Tonio Borg und das EU-Parlament haben die Charta anerkannt, allerdings ist sie für den einzelnen Bürger nicht direkt durchsetzbar", schränkt er ein. Sein Kollege Günther Steger berichtet von einem neuen erfolgreichen Therapiekonzept für die Brustkrebsbehandlung: "Es ist jetzt möglich, Antikörper in die Krebszellen zu schleusen, die im Rucksack einen chemischen Wirkstoff haben. So wird die Zelle gezielt vergiftet wie mit einem Trojaner", erklärt er.

Zudem könnte das Prinzip künftig für andere Krebsformen anwendbar sein. Auch Richard Pötter, Leiter der Uniklinik für Strahlentherapie, berichtet von Fortschritten: "Heute behalten 90 Prozent aller Brustkrebs-Patientinnen ihre Brüste. Vor 25 Jahren haben 90 Prozent der Frauen ihre Brüste nach der Erkrankung verloren." Die Ärzte weisen aber darauf hin, dass die Ausstattung mit Geldern für akademisch-klinische Forschung mangelhaft ist.

Kaum Forschungsgeld für Naturheilmittel

Auch für Studien mit Naturheilmitteln gebe es kaum Mittel, da Wirkstoff-Forschung meist von Pharmafirmen gesponsert ist, wie Onkologin Gabriela Kornek im pressetext-Gespräch erklärt. "Für Vitamin D beispielsweise gibt es aber einen Benefit", erklärt die Präsidentin des Vereins "Leben mit Krebs" http://www.leben-mit-krebs.at . Der Krebstag am Samstag, 5. April von 11 bis 16:30 Uhr im Wiener Rathaus findet diesmal in Kombination mit dem Patiententag des europäischen Kongresses für Strahlentherapie statt. Experten bieten dabei Informationen aus erster Hand.

pressetext.redaktion / pte20140401018
Hubertus Müller, pressetext.redaktion, Tel.: +43-1-81140-300, eMail: mueller@pressetext.com
01.04.2014
22.06.2017, 11:21 | tsc
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